Heimsieg zur Kirmes als Ziel - SF Lotte zum Gast am Hünting
Durchpusten und den Fokus hochhalten war angesagt bei den Spielern des 1. FC Bocholt nach der bitteren 1:3-Niederlage am vergangenen Samstag beim Tabellenführer SC Rot-Weiß Oberhausen. Die Möglichkeit, es besser zu machen und die Fans für ihren leidenschaftlichen Support vor heimischer Kulisse mit drei Punkten am Kirmessamstag zu belohnen, hat der FCB am 13. Spieltag der Regionalliga West, wenn die Sportfreunde Lotte im praemium Park am Hünting gastieren (14 Uhr).
Der kommende Gegner vom bekannten Autobahnkreuz lebte vor zehn Jahren noch den großen Traum von der dritten Liga und ging drei Spielzeiten in der dritthöchsten deutschen Spielklasse an den Start. Trainer Ismail Atalan formte seinerzeit eine Mannschaft aus No-Names, die am großen Erfolg schnupperte, aber 2019/20 den Gang zurück in die Oberliga antreten musste. Zwei Jahre später wurde im Stadion am Lotter Kreuz gefeiert und den Sportfreunden gelang unter Coach Fabian Lübbers die Rückkehr in die Regionalliga West. Sympathieträger Lübbers, der in Lotte Trainer und sportlicher Leiter in Personalunion war, verabschiedete sich vor der aktuellen Saison jedoch in Richtung SV Rödinghausen und mit ihm eine stattliche Anzahl von 21 Spielern, darunter Stammspieler wie Leon Demaj (VfB Oldenburg), Louis Hiepen, Fabian Rüth sowie Ben Klefisch (alle Rödinghausen), Luca Horn (FSV Schöningen), Luca Kerkemeyer (RW Erfurt) und auch Jonas Kehl (Erzgebirge Aue).
Auf der Gegenseite legten sich die neuen Verantwortlichen um Trainer Nadir Sönmez und Teammanager Luca Pflugradt ins Zeug, neue Akteure nach Lotte zu lotsen, und sicherten sich die Unterschrift von sage und schreibe 28 Neuzugängen. Dabei bedienten sich die Sportfreunde gefühlt einmal quer durch die Bundesrepublik und verpflichteten Arda Hacioglu (Werder II), Karlo Grgic und Justin Faltyn (beide Bremer SV) aus dem hohen Norden, Eric Preljevic (Rathenow) und Keeper Tim Fisch (Berliner AK) aus dem Osten; mit Hassan Mohamad (Bielefeld II), Fatih Öztürk (Sprockhövel), Kenau Kerbsties (Bochum II) und Emro Curic (RW Ahlen) wechselten zudem Spieler aus NRW nach Lotte, und auch in den Niederlanden sowie in Österreich fand man neue Akteure.
Dass so ein XXL-Umbruch natürlich auch gewisse Probleme mit sich bringt, lässt sich nicht wegdiskutieren, und ein Blick auf die Tabelle spricht aus Lotter Sicht derzeit Bände. Mit sechs Punkten auf dem Konto belegen die Sportfreunde momentan den letzten Tabellenplatz und haben selbst erst acht Tore erzielen können. Als Konsequenz der bitteren Talfahrt zogen Ende September auch noch Coach Sönmez sowie Teammanager Pflugradt die Reißleine und beendeten ihre Engagements in Lotte; interimsweise lenken Co-Trainer Luis Hillemeyer und Fynn Brenneiser seitdem die Geschicke.
Doch auch unter dem aktuellen Gespann gelang der Mannschaft bislang nicht der erhoffte Turnaround; nebenbei wurden zudem weitere Baustellen aufgemacht, die die Stimmung massiv drücken. So sind die Lotter nach aktuellem Stand ab der Winterpause ohne Heimspielstätte, denn der Verein hat der Gemeinde zum Jahresende den Überlassungsvertrag gekündigt und noch keine Alternative präsentiert. Sportlich gab es zuletzt zumindest einen kleinen Hoffnungsschimmer, denn am vergangenen Samstag bescherte Spielmacher Rohin Shivani seiner Mannschaft mit dem 1:0-Siegtreffer über die zweite Mannschaft des SC Paderborn 07 den ersten Sieg in der laufenden Spielzeit – zuvor standen sechs Niederlagen hintereinander zu Buche. Shivani, der vom VfB Lübeck verpflichtet wurde, ist mit drei Einschlägen zugleich der erfolgreichste Torjäger bislang.
Bocholts Cheftrainer Guerino Capretti erwartet gegen das Schlusslicht ein anderes Spiel als noch in der Vorwoche beim Ligaprimus RWO und warnt vor vorschnellen Glückwünschen. „Da kommt ein Gegner zu uns, der zuletzt einen Sieg eingefahren hat. Das wird sicher ein anderes Spiel von der Systematik sowie der Intensität als gegen Oberhausen; aber Lotte hat gezeigt, dass sie Spiele gewinnen können“, macht er klar und betont: „Das ist eine Mannschaft, die man auf gar keinen Fall unterschätzen darf. Sowieso unterschätzen wir niemanden.“
Viermal trafen der 1. FC Bocholt und die Sportfreunde Lotte in Pflichtspielen aufeinander, die Bilanz liest sich dabei recht ausgeglichen. Eine Partie gewannen die Schwatten, zwei Siege konnte Lotte einfahren und einmal trennte man sich Remis. In der abgelaufenen Saison setzte sich der FCB im praemium Park am Hünting souverän mit einem 4:1-Erfolg am neunten Spieltag durch, in Lotte gab es am 26. Spieltag ein 1:1-Unentschieden.
Capretti und sein Trainerteam nahmen indes die positiven Erkenntnisse aus dem RWO-Spiel zum Anlass, in dieser Woche besonders im Pressingbereich weitere Fortschritte zu machen. „Es ist wichtig, dass wir schnelle Impulse haben, nach verlorenen Bällen direkt wieder da und in der Ordnung sind. Das brauchen wir am Samstag im Heimspiel“, so Capretti, der absolut davon überzeugt ist, dass die Mannschaft darauf brennt, die drei Punkte am Hünting zu behalten, und die Marschroute klar definiert: „Wir müssen sofort da sein, sofort für Klarheit sorgen und in Phasen mit dem Ball unsere Qualität so auf den Platz bringen, wie wir es in den Spielen zuvor auch gemacht haben. Wir brauchen die maximale Intensität, die maximale Power – in allen Mannschaftsteilen.“
Aus dem Bocholter Kader hat übrigens lediglich Spielmacher Stipe Batarilo-Cerdic eine blau-weiße Vergangenheit: Er lief 2014/15 in 24 Regionalligapartien für die Sportfreunde auf und erzielte dabei einen Treffer.
Positiv zu berichten ist, dass sowohl Batarilo-Cerdic als auch Filip Ilic im Training bereits alle Übungen schmerzfrei absolvieren können und eine Rückkehr in den Kader bevorsteht. Fehlen wird gegen Lotte sehr wahrscheinlich Lennart Garlipp, der aufgrund eines grippalen Infekts nicht trainieren konnte, und auch Gianluca Swajkowski wird von der Tribüne aus zusehen müssen – er sah seine fünfte Gelbe Karte und ist gesperrt.
Fragezeichen stehen noch hinter einem Einsatz von Luca Puhe, der Schulterprobleme hat, sowie Benjamin Friesen, den muskuläre Probleme plagen.
