Achtelfinale des Niederrheinpokals - FCB zu Gast in Essen
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt dem 1. FC Bocholt nicht. Nach der turbulenten 3:4-Niederlage gegen den FC Gütersloh wartet bereits am Mittwoch die nächste Aufgabe auf den FCB. Im Achtelfinale des Niederrheinpokals geht es für die Mannschaft von Guerino Capretti zum ETB Schwarz-Weiß Essen. Gespielt wird dabei im traditionsreichen Uhlenkrug, wo der FCB auf einen Gegner trifft, der seit Jahrzehnten fest zum höherklassigen Fußball am Niederrhein gehört.
Der ETB ist ein echtes Oberliga-Urgestein. Bereits von 1978 bis zur Auflösung der Oberliga Nordrhein im Jahr 2008 spielten die Schwarz-Weißen durchgehend in jener Spielklasse. Anschließend folgten vier Jahre in der neu gegründeten NRW-Liga, ehe der Wettbewerb 2012 wieder aufgelöst wurde und Essen seitdem ununterbrochen in der Oberliga Niederrhein antritt. Über vier Jahrzehnte Oberliga-Fußball mit lediglich diesem vierjährigen Abstecher in die NRW-Liga machen den ETB zu einem der absoluten Dauerbrenner des niederrheinischen Amateurfußballs.
Dabei blickt der Verein auf eine Geschichte zurück, die weit über die Oberliga hinausgeht. Schwarz-Weiß Essen war in früheren Jahrzehnten sogar im Profifußball zu Hause, spielte in der damaligen Oberliga West und später in der 2. Bundesliga. Auch im DFB-Pokal sorgten die Essener immer wieder für besondere Momente. 1987/88 erreichte der ETB das Achtelfinale, schlug auf dem Weg dorthin unter anderem den damaligen Zweitliga-Spitzenklub SV Darmstadt 98 und scheiterte anschließend nur knapp mit 0:1 am VfL Bochum. 2010 gelang zudem der Gewinn des Niederrheinpokals, der den Verein erneut in den DFB-Pokal führte.
Ganz so weit oben wie einst spielt der ETB heute zwar nicht mehr, in den vergangenen Jahren entwickelte sich der Klub allerdings wieder zu einer festen Größe im oberen Bereich der Oberliga Niederrhein. Nach Platz fünf in der Saison 2022/23 folgte ein Jahr später Rang vier. 2024/25 machte Essen dann den nächsten Schritt und beendete die Saison auf dem dritten Tabellenplatz. Bis zum letzten Spieltag bestand sogar die Chance auf den Aufstieg in die Regionalliga West. Die Mannschaft vom Uhlenkrug konnte den ganz großen Coup letztlich nicht mehr schaffen, hatte mit der Entwicklung aber neue Euphorie rund um den Traditionsverein entfacht.
Gerade deshalb fällt der Blick auf die aktuelle Saison etwas anders aus. Nach dem starken dritten Platz im Vorjahr konnte der ETB diesen Schwung bislang nicht vollständig mitnehmen. In der laufenden Oberliga-Saison findet sich die Mannschaft von Trainer Björn Matzel derzeit im Tabellenkeller wieder. Vor dem Pokalduell gegen den FCB stehen nach acht Ligaspielen ein Sieg, drei Unentschieden und vier Niederlagen zu Buche. Besonders die Defensive bereitet den Essenern Sorgen: Bereits 18 Gegentore musste der ETB hinnehmen. Zuletzt zeigte die Mannschaft allerdings Moral. Nach einem 0:1-Rückstand beim 1. FC Monheim gelang durch einen Kopfball von David Glavas in der 82. Minute noch der Ausgleich zum 1:1.
Neuzugang Glavas gehört dabei zu den Spielern, auf die der FCB besonders achten muss. Der Mittelfeldspieler war zuletzt nicht nur aufgrund seines Ausgleichstreffers in Monheim auffällig, sondern ist ein wichtiger Bestandteil der Essener Mannschaft. Auch Nico Lucas bringt Erfahrung und Qualität ins Mittelfeld und war in Monheim als Vorlagengeber für Glavas' Treffer beteiligt. Im Angriff verfügt der ETB mit Florian Berisha, Marcello Romano und Mohamed Said zudem über mehrere Spieler, die für Gefahr sorgen können. Gleichzeitig wird Essen im Pokal auf Slone Matondo verzichten müssen, der sich in Monheim in der Nachspielzeit eine Rote Karte einhandelte.
Für den FCB ist die Partie im Uhlenkrug dennoch keineswegs ein Selbstläufer. Zwar liegt zwischen beiden Mannschaften aktuell eine Spielklasse, doch gerade der Pokal lebt von solchen Begegnungen. Der ETB kann befreit auftreten und hat mit dem eigenen Stadion einen besonderen Rahmen für das Duell. Der FCB wiederum möchte nach der bitteren Niederlage gegen Gütersloh möglichst schnell wieder ein Erfolgserlebnis feiern und den nächsten Schritt im Pokal machen.
Dass Bocholt und Essen dabei bereits einige gemeinsame Pokalkapitel geschrieben haben, zeigt auch der jüngste Vergleich. Im Niederrheinpokal trafen beide Mannschaften bereits im Achtelfinale der Saison 2024/25 aufeinander, als der FCB den ETB mit 4:1 besiegte. Thomas Gösweiner brachte Bocholt damals früh auf Kurs, Jan Wellers und Bogdan Shubin erhöhten noch vor der Pause, ehe Gösweiner mit seinem zweiten Treffer für eine komfortable 4:0-Führung sorgte. Der ETB konnte später lediglich noch verkürzen.
Nun beginnt die Geschichte wieder bei null. Für den FCB geht es darum, die Enttäuschung aus dem Gütersloh-Spiel abzuschütteln, von Beginn an die Kontrolle zu übernehmen und den Qualitätsunterschied auf dem Platz sichtbar zu machen. Gleichzeitig darf die Mannschaft die Essener nicht unterschätzen. Ein Traditionsverein wie der ETB braucht nicht viele Möglichkeiten, um ein Pokalspiel offen zu gestalten. Vor allem die Intensität, die Einsatzbereitschaft und der Wille, mit denen sich die Schwarz-Weißen zuletzt in Monheim zurückkämpften, dürften auch gegen Bocholt gefragt sein.
Der FCB hat somit die Chance, auf eine schmerzhafte Niederlage die passende Antwort zu geben. Im Uhlenkrug wartet ein traditionsreicher Gegner, ein stimmungsvoller Pokalabend und die Möglichkeit, den nächsten Schritt im Niederrheinpokal zu machen. Nach dem Anpfiff zählt schließlich nicht mehr, in welcher Liga die beiden Mannschaften normalerweise zu Hause sind, sondern wer über mindestens 90 Minuten die bessere Leistung auf den Platz bringt.
