5:4- FCB beweist Moral und dreht Rückstand
Der 1. FC Bocholt hat am 16. Spieltag der Regionalliga West den nächsten Dreier eingefahren und auswärts beim SV Bergisch Gladbach 09 in einer wilden Partie mit 5:4 (0:3) gewonnen. Die Mannschaft von Cheftrainer Guerino Capretti zeigte dabei eine unglaubliche Moral in der zweiten Halbzeit und konnte einen 0:3-Rückstand durch ein Eigentor von Daniel Spiegel (49.) sowie Treffer von Arnold Budimbu (77.), einem Doppelpack von Elano Yegen (72./88.) und einem Elfmeter von Malek Fakhro (90.+1) noch drehen.
Gegenüber dem 2:2-Remis am vergangenen Sonntag gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln nahm Capretti zwei Änderungen in der Startformation vor. Für Filip Ilic sowie Ozan Hot, die beide zunächst auf der Bank saßen, begannen Gianluca Swajkowski und Patrick Kurzen, der nach seiner Gelbsperre wieder mit von der Partie war. Spielmacher Stipe Batarilo-Cerdic stand nach längerer Pause wieder im Kader.
Auf dem Rasen machten die Gastgeber dann vom Anpfiff an ordentlich Druck und drängten die Capretti-Elf tief in die eigene Hälfte. Bereits nach einer Minute ergab sich durch ein Foulspiel von Benjamin Friesen eine exzellente Freistoßgelegenheit für die 09er, die aber in der Bocholter Mauer hängen blieb – Finn Stromberg beendete die Situation mit einem Versuch über den Querbalken (2.). Bergisch Gladbach wollte den frühen Führungstreffer, den Capretti sich vor der Partie noch gewünscht hatte, und sollte sich für den geleisteten Aufwand auch belohnen. Denys Pinchuk schraubte sich nach einer Freistoßflanke von Ardit Mimini aus dem linken Halbfeld am höchsten und brachte die Gastgeber per Kopfball in Führung (7.). Doch das Team von Coach Kevin Kruth hatte noch längst nicht genug und drehte weiter auf. Nachdem Stromberg mit einem Abschluss an Paul Grave scheiterte (12.), war es Pinchuk, der in der nächsten Torraumszene mustergültig auf den eingelaufenen Stromberg querlegte, der aus kurzer Distanz keine Mühe hatte, auf 2:0 zu stellen (13.).
Beim FCB lief in der Anfangsphase kaum etwas zusammen, die Fehler häuften sich und Bergisch Gladbach zeigte genau das Spiel, das Bocholts Coach von seiner Elf gefordert hatte – leidenschaftlich, zielstrebig und gnadenlos effektiv.
Für die Schwatten sollte es deshalb in den ersten zwanzig Minuten der Partie noch härter kommen, denn als Kilian Zaruba im Zweikampf mit Pinchuk das Nachsehen hatte, übernahm Kapitän Claudio Heider das Leder und jagte es zum 3:0 ins lange Eck (20.). Capretti hatte daraufhin genug gesehen und nahm den ersten Doppelwechsel vor, indem er Lennart Garlipp sowie Filip Ilic für Tim Krohn und Benjamin Friesen ins Spiel brachte (22.). Nach 25 Minuten wurde es dann zum ersten Mal vor dem Bergisch Gladbacher Tor gefährlich, jedoch war Zaruba zu überrascht, dass der Ball nach Assist von Malek Fakhro noch durchgerutscht war, um ihn mit Druck auf das Gehäuse von Keeper Robin Schulze zu bringen, der einen ereignisarmen ersten Durchgang verlebte.
Die Bocholter versuchten im Folgeverlauf der ersten Hälfte selbst Nadelstiche zu setzen, doch der Defensivriegel der 09er machte seine Arbeit ausgezeichnet und verteidigte sämtliche Flanken und Freistöße vom Strafraum weg. Schulze musste kurz vorm Halbzeitpfiff noch einmal einen Luftzweikampf mit Marvin Lorch (41.) und einen harmlosen Kopfball-Streifer von Dominik Lanius entschärfen (43.), dann war Schluss in der ersten Halbzeit und mit einer vollkommen verdienten 3:0-Führung der Bergisch Gladbacher ging es in die Kabinen.
Capretti brachte nach der Pause Batarilo-Cerdic für Swajkowski ins Spiel, doch bevor der eingreifen konnte, kamen zunächst die Gastgeber mit mehr Schwung aus der Kabine. Nach zwei gespielten Minuten meldete sich dann auch der FCB wieder im Spiel an und erzeugte gar eine kleine Druckphase. Zaruba verpasste eine Kopfballverlängerung von Lanius noch knapp (47.), wenig später durften die knapp 100 mitgereisten Bocholter Anhänger jubeln – eine scharfe Hereingabe über den rechten Flügel von Kurzen bugsierte Daniel Spiegel zum 1:3-Anschlusstreffer ins eigene Tor (49.).
Die Hoffnung war geboren, doch auch Bergisch Gladbach mischte weiter mit und Stromberg zielte erneut etwas zu hoch (51.). Auf der Gegenseite zirkelte Kapitän Arnold Budimbu einen Freistoß aus aussichtsreicher Position rechts über das Tor vorbei (58.). Den Bocholtern gelang es zwar deutlich besser als im ersten Durchgang, die gegnerischen Angriffe zu unterbinden, sie schafften es aber noch nicht, selbst zwingende Torchancen zu kreieren. So musste eine Standardsituation her, um den nächsten Treffer zu erzielen. Nach einer tollen Freistoßflanke von Budimbu aus dem rechten Halbfeld war es Elano Yegen, der wuchtig zum 2:3 einköpfen konnte und seinen Treffer frenetisch bejubelte (72.). Kurz danach brannte es vor Graves Tor erneut, doch Bocholts Schlussmann konnte Pinchuks Flachschuss gerade noch mit dem Fuß parieren (73.).
Vier Zeigerumdrehungen später machte Stromberg seinen persönlichen Hattrick perfekt und zielte zum dritten Mal über die Latte (77.). Jetzt war Feuer im Spiel und Bocholt machte das Unmögliche doch noch möglich. Als Filip Ilic sich im Zentrum den Ball stark erkämpfte und Malek Fakhro mitnahm, setzte der Budimbu stark in Szene und Bocholts Kapitän schloss mit seinem zweiten Saisontor trocken zum viel umjubelten 3:3-Ausgleich ab (78.) – und es sollte noch viel besser kommen für die Schwatten.
Als der Ball nach einem Freistoß zu Yegen durchsickerte, der an der Strafraumkante lauerte, zimmerte er den Ball zum 4:3 in die Maschen (88.) und Malek Fakhro legte per Strafstoß nach Foulspiel an Lorch noch das 5:3 nach (90.+1). Der Anschlusstreffer mit dem Schlusspfiff war letztlich nur noch Ergebniskosmetik und die Bocholter konnten die 125 Kilometer Heimreise mit drei Punkten im Gepäck antreten.
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