Niederrhein- Kracher in Oberhausen- FCB zu Gast bei RWO
Wenn der Auswärtsblock prall gefüllt ist, jeder Fan sich auf das Spiel freut, der Bratwurstgeruch vorm Stadion in die Nase zieht, die Luft brennt und man die Fangesänge rund um die Arena schon von Weitem wahrnimmt – dann ist es Zeit für einen Niederrhein-Kracher.
Nachdem der 1. FC Bocholt sich am Mittwochabend durch einen 2:1-Erfolg beim ETB SW Essen ins Viertelfinale des Niederrheinpokals gezittert hat, steht am 12. Spieltag das nächste Topspiel in der Regionalliga West vor der Tür. Am Samstag (Anstoß 14 Uhr) geht die Reise für Cheftrainer Guerino Capretti und sein Team zum Tabellenführer SC Rot-Weiß Oberhausen.
Im traditionsreichen Stadion Niederrhein wartet auf den FCB eine Mannschaft, die aktuell nur so vor Selbstvertrauen strotzt und die Rückkehr in die 3. Liga endlich finalisieren möchte. Denn dort war der langjährige Erst- und Zweitligist zuletzt vor 15 Jahren in der Saison 2011/12 vertreten und dort will man in Oberhausen wieder hin – selten standen die Chancen rund um die Kleeblätter dabei so gut wie in dieser Saison.
Sicher, auch die vergangene Saison brachte den Oberhausenern um Cheftrainer Sebastian Gunkel Rückenwind und am Ende lief man als Tabellenzweiter hinter Meister Fortuna Köln ins Ziel ein. Doch 2025/26 kann man in Oberhausen durchaus als Konsolidierungsjahr einordnen, denn viele Themen werden konsequent angegangen, seitdem Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig vor anderthalb Jahren das Ruder bei RWO übernommen hat.
Gemeinsam mit dem sportlichen Leiter der Oberhausener, Dennis Lichtenwimmer-Conversano, wurde seit Uhligs Ankunft nicht nur in die Infrastruktur, sondern auch in Beine investiert – und da leisteten die Verantwortlichen sehr gute Arbeit. Besonders auffällig dabei ist, dass RWO auf der Zugangsseite vor dieser Saison einige Akteure präsentierte, die sich in der Vergangenheit den Publikumsliebling-Status in Oberhausen erspielt haben und sich so ohne große Akklimatisierung ins Teamgefüge integrieren konnten. Allrounder Kerem Yalcin kehrte nach einer Saison bei Paderborns U23 zurück, auch Außenbahnspieler Denis Donkor brach seine Zelte beim Drittligisten Hoffenheim II nach einem Jahr ab und schnürt seine Schuhe wieder bei RWO. Ebenfalls Stallgeruch hatte zuvor Nils Winter, den es von Alemannia Aachen zurück ins Stadion Niederrhein zog. Yalcin (vier Tore), Donkor (3) und Winter (3) haben auf dem Rasen auch bereits unter Beweis gestellt, weshalb RWO sich intensiv um eine Rückkehr bemüht hatte.
Doch damit ist noch längst nicht genug, denn Oberhausen hat einige Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt gesetzt und mit Justus Henke (Gütersloh), Arda Süne (1. FC Köln U23), Joel Vega Zambrano (Viktoria Köln), Tim Böhmer sowie Travis de Jong (beide Paderborn II) und Yassir Atty (Gladbach II) allesamt Spieler unter Vertrag genommen, die die Regionalliga West bereits kennen. Unterm Strich fanden 14 neue Spieler den Weg zu RWO, wobei ein Transfer für besonderes mediales Interesse gesorgt hat, nämlich der von Max Meyer. Das 31-jährige, ehemalige Supertalent des FC Schalke 04 wechselte aus Zypern von APOEL Nikosia zu seinem Jugendclub und möchte endlich wieder ehrlichen Fußball spielen. Meyer blickt auf eine bewegte Karriere zurück, lief neben Schalke für Fenerbahce Istanbul, den 1. FC Köln, Crystal Palace, den FC Luzern sowie in Dänemark für Midtjylland auf und trug in vier A-Länderspielen das Trikot der deutschen Nationalmannschaft.
Neben Tim Krohn, der nun am Hünting aufläuft und in der letzten Saison von Hansa Rostock nach Oberhausen verliehen war, trennten die Kleeblätter sich von elf weiteren Spielern, wobei der Verlust von Stammkeeper Kevin Kratzsch in Richtung Energie Cottbus wohl am schwersten wiegt.
Dennoch stimmt aktuell sehr viel rund um den Ligaprimus und aus elf Partien erspielte sich RWO bislang starke 28 Punkte, ließ demnach erst fünf Zähler liegen – besonders im September performte die Gunkel-Elf, gewann alle fünf Meisterschaftsspiele und setzt diese bärenstarke Serie bis dato fort. Am vergangenen Wochenende überzeugte Oberhausen auf voller Linie und gewann vor heimischer Kulisse mit 4:0 gegen Paderborns Zweitvertretung, womit derzeit beeindruckende sieben Siege in Serie stehen. Den Führungstreffer gegen Paderborn steuerte Timur Kesim bei, mit zehn Treffern und drei Assists momentan der Topscorer der Kleeblätter. Übrigens: Auch Kesim verabschiedete sich vor der vergangenen Saison zunächst in Richtung Hertha BSC Berlin II, um dann in der Winterpause nach Oberhausen zurückzukehren.
Pre-Match-Pressekonferenz: Rot-Weiß Oberhausen (A)
Die Online-Pressekonferenz mit Cheftrainer Guerino Capretti und Benjamin Kappelhoff vor dem Auswärtsspiel in der Regionalliga West gegen Rot-Weiß Oberhausen.
Bocholts Cheftrainer Guerino Capretti weiß den kommenden Gegner genau einzuordnen und sieht für seine Elf das schwerste Auswärtsspiel bisher auf sie zukommen. „Das ist eine richtig gute Mannschaft aus Oberhausen, die eine Wucht in allen Mannschaftsteilen aufweisen kann. Sie sind sehr bissig, spielen ein hohes Pressing, wollen den Gegner immer stressen und alles am liebsten vorwärts verteidigen“, sagt er und erklärt: „Es wird definitiv das schwerste Auswärtsspiel für uns werden. RWO ist Erster, es ist eine super Mannschaft und Vieles spricht für Oberhausen. Aber am Ende ist genau das unsere Aufgabe und die ist cool. Wir können da hinfahren und zeigen, was wir draufhaben, und das ist das Wichtigste.“
Für den 1. FC Bocholt ist eine Partie gegen die Oberhausener auch immer ein Duell mit Derby-Charakter, denn nicht nur auf dem Rasen kreuzten beide Clubs schon etliche Male von der Zweiten Bundesliga bis zur Oberliga die Klingen – auch Transfers zwischen den Vereinen gab es über die Jahre immer mal wieder. In der jüngsten Vergangenheit waren das beispielsweise Tobias Boche, der vom FCB nach Oberhausen wechselte; aktuell steht mit Ozan Hot ein ehemaliger Oberhausener im Bocholt-Kader und auch Tim Krohn lief in der letzten Rückrunde noch im Stadion Niederrhein auf. Langjährige Fans der Schwatten erinnern sich sicherlich auch noch an Akteure wie André Flür, Marcus Schaaf, Jörg Lieg, Yannis Schliesing, Kevin Lunga, Wolfgang Kieselmann, Uwe Montelett und natürlich FCB-Legende Tito Elting, der einige Jahre in Oberhausen als Trainer aktiv war, den Verein 1983 in die Zweite Bundesliga führte und mit seinen guten Beziehungen einige dieser Transfers zwischen den Clubs einfädelte.
Aus dem aktuellen Kader des FCB haben die beiden Kapitäne Arnold Budimbu sowie sein Stellvertreter Marvin Lorch ebenfalls eine Oberhausener Vergangenheit – beide spielten dabei ziemlich exakt vor zehn Jahren bei RWO sogar zusammen in einer Mannschaft. Budimbu war 2016/17 Stammspieler und Marvin Lorch kam aus dem Jugendbereich der Kleeblätter, spielte gerade seine Debütsaison im Seniorenbereich und absolvierte seine ersten fünf Partien in der Regionalliga West.
In der vergangenen Saison trafen Bocholt und Oberhausen dreimal aufeinander, unvergessen bleibt da sicherlich der Pokalfight über 120 Minuten, an dessen Ende Jesaja Hermann mit seinem Tor zum 1:0 in der 110. Spielminute den Halbfinaleinzug für den FCB klarmachte. Am 17. Spieltag unterlag der FCB im Stadion Niederrhein mit 2:3, am 34. Spieltag gab es am Hünting ein 2:2-Remis.
In Oberhausen werden die Schwatten wieder von zahlreichen Bocholter Anhängern begleitet, die eine magische Atmosphäre im weiten Rund kreieren werden. Capretti und die Mannschaft zählen auf den Support der Fans. „Ich freue mich, in Oberhausen zu spielen, es wird eine Menge los sein und viele Bocholter werden uns begleiten. Wir benötigen jede Unterstützung, die wir kriegen können“, unterstreicht Bocholts Coach und richtet einen Appell an alle, die es mit dem 1. FC Bocholt halten: „Lasst uns gemeinsam mit den Spielern, dem Trainerteam, dem Staff und allen Fans rüberfahren und zeigen, was es bedeutet, beim 1. FC Bocholt Spieler zu sein, Fan des Vereins zu sein. Lasst uns da richtig 'einen abfackeln'.“
Marvin Lorch, der sich im Pokalspiel eine Handverletzung zugezogen hatte, sowie Dominic Lanius, der einen Cut im Gesicht davontrug, sind beide am Samstag einsatzbereit.
