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Foto: Monika Gajdzik

Profis
Freitag, 11.09.2026 14:01 Uhr | Daniel Oenning

FCB auswärts bei der SG Wattenscheid 09 gefordert

Für den 1. FC Bocholt steht das nächste Auswärtsspiel auf der Agenda. Am achten Spieltag der Regionalliga West trifft die Elf von Coach Guerino Capretti am Samstag (14 Uhr) im altehrwürdigen Lohrheidestadion auf die SG Wattenscheid 09.
Fußball-Romantiker sollten sich diesen Termin fett einkreisen, denn die SGW ist Tradition pur. 

Der ehemalige Bundesligist ist nach drei Spielzeiten in der Oberliga Westfalen zurück in der Regionalliga West und bringt zugleich ein echtes Schmuckkästchen mit in die Liga. 
Das Lohrheidestadion hat in der Vergangenheit viele, tolle Spiele gesehen - unvergessen bleiben sicherlich die Duelle in der ersten Bundesliga Anfang der 90er Jahre, in denen Souleymane Sané, Marek Lesniak und Co. selbst den großen FC Bayern München vorführten. 

Doch lange ist es her und mit der Zeit verlor in Wattenscheid vieles seinen Glanz. Die Fußballer wurden zeitweise durchgereicht bis in die Verbandsliga Westfalen, der Club stand aufgrund von Misswirtschaft nicht selten vor einem kompletten Scherbenhaufen, doch konnte den Kopf jedes Mal knapp über Wasser halten.
Mittlerweile scheint jedoch Ruhe eingekehrt zu sein, in Wattenscheid wird wieder professionell gearbeitet, obendrein erscheint das 1954 erbaute Stadion in neuem Glanz. 

Das Lohrheidestadion - im Volksmund nur "Lohrheide" genannt- wurde für 30,9 Millionen Euro bezuschusst renoviert, wird in der Kategorie 1a geführt und ist das einzige Leichtathletikstadion in NRW, in dem Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden- im Sommer 2025 waren die Umbauarbeiten abgeschlossen. 
Mit dem neuen Rund kam auch der Erfolg der SGW zurück, die Macher bei den 09ern um Sportdirektor Richard Weber haben deshalb im Sommer entsprechende Maßnahmen ergriffen um die Mannschaft vom neuen Trainer Przemyslaw Czapp für die Regionalliga zu wappnen. 

Der 36-jährige Czapp war in den vergangenen 20 Jahren beim SC Verl aktiv und coachte vor dem Wechsel zur SG die zweite Mannschaft des Vereins, die er bis in die Oberliga führte. Zusätzlich zum Cheftrainer wurden 17 Neuzugänge verpflichtet darunter mit Maximilian Adamski, Nicolas Hirschberger sowie Thomas Gösweiner auch drei Spieler, die zuletzt beim 1. FC Bocholt unter Vertrag standen. 

Neben den ehemaligen Bocholtern präsentierte Wattenscheid weitere Transfers die reichlich Erfahrung mitbringen. So haben Innenverteidiger Vincent Gembalies (SW Bregenz) sowie Medin Kojic (Paderborn II) eine Vergangenheit in der zweiten Bundesliga, Kaan Kurt (Lotte) schnupperte Drittliga-Luft für 1860 München und Isaak Nwachukwu (Verl II), Agon Arifi (TSG Sprockhövel), Elias Demirarslan, Ilia Polyakov (beide RWO), Jens Balzukat (Paderborn II), Tidiane Gueye (Preußen Münster II), Philip Buczkowski (SSVg Velbert) sowie Henri Bollmann (Gütersloh) bringen Regionalliga-Erfahrung mit nach Wattenscheid. Zudem wurde mit Nico Schulte-Kellinghaus ein Youngster für die Defensive von Rot-Weiß Essen ausgeliehen- unterm Strich kann Coach Czapp also auf eine erfahrene Mannschaft zurückgreifen, die die 17 Abgänge im Kollektiv kompensieren soll.

Pre-Match-Pressekonferenz: SG Wattenscheid (A)

Die Online-Pressekonferenz mit Cheftrainer Guerino Capretti und Benjamin Kappelhoff vor dem Auswärtsspiel in der Regionalliga West gegen SG Wattenscheid.

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FCB-Coach Guerino Capretti schaut mit gemischten Gefühlen auf die bisherigen Ergebnisse der 09er : "Wenn man sich die Resultate anschaut, dann sieht man, dass Wattenscheid auf jeden Fall viele Tore schießen kann. Aber genauso kassieren sie auch viele Gegentreffer."
Capretti geht davon aus, dass „durchaus Gefahr auf unser Tor zurollen kann. Wattenscheid wird seine Hausaufgaben machen, sie haben ein Heimspiel und es wird zur Sache gehen.“
Der Saisonstart verlief ordentlich, die SGW hat sieben Zähler auf dem Konto und empfängt die Bocholter als Tabellendreizehnter. In Paderborn verspielten die 09er am vergangenen Wochenende in einer wilden Partie eine 2:0-Führung, fielen in wenigen Minuten komplett auseinander und unterlagen am Ende deutlich mit 2:5. Das erste Wattenscheider Tor an diesem Tag erzielte übrigens mit einem tollen Freistoßtreffer Robert Najji, der aktuell seine dritte Saison in der Lohrheide kickt und 2022/23 für den FCB dreizehn Partien bestritt.  

Capretti kann die bittere Niederlage der SGW realistisch einordnen. 
"Sie haben viele neue Spieler, ein neues Trainerteam und quasi einen großen Neuaufbau vollzogen. Da sind solche Resultate nicht so ungewöhnlich", sagt er und erklärt: "Wir haben auch gegen Schalke in kurzer Zeit drei Gegentore bekommen. Man hat auf einmal Angst zu verlieren, man verkrampft und hat das Gefühl, kein Fußball mehr spielen zu können. Man ist in so einer Phase nicht mehr mutig und es gelingt nichts mehr, ohne sich das erklären zu können." 

Schon in der Vergangenheit verband den 1. FC Bocholt und die SG Wattenscheid 09 viel mehr als nur die Duelle auf dem Rasen, auch stetige Transfers zwischen beiden Vereinen bestätigten die Regel.
Als Trainer zu nennen ist definitiv Jupp Tenhagen der in Bocholt, als auch in Wattenscheid, gemeinsam mit Co-Trainer Frank Saborowski coachte - 1996/97 führte das Duo die SGW in die zweite Bundesliga. 
Auch Franz -Josef "Kiki" Kneuper durfte als Trainer an beiden Seitenlinien stehen. Sergej Korobka, Rainer Schümann, Markus Hasecke, Werner Kempkens, Emil Hamar, Thomas Ridder, Daniel Neustädter und Semih Köse sind einige Spieler, die beide Trikots trugen.

Insgesamt kreuzten die Clubs in Pflichtspielen achtmal die Klingen wobei Wattenscheid vier Duelle für sich entscheiden konnte, der FCB dreimal als Sieger den Rasen verließ und eine Partie Unentschieden endete. 
Guerino Capretti ist indes froh, dass er und die Mannschaft nach den kräftezehrenden englischen Wochen nun wieder etwas Zeit hatten, gewisse Dinge zu optimieren. "Natürlich spielt man als Spieler lieber, anstatt zu trainieren. Aber aus Trainersicht ist es wichtig, dass man wieder Schwerpunkte setzen und an der Kompaktheit arbeiten kann", betont er. Sein Credo sei ohnehin, als Mannschaft auf sich selbst zu schauen und sich im Klaren zu sein, dass man auch schlechten Phasen wegstecken muss. "Die Mittel immer nochmal zurückzukommen haben wir, dieses Selbstverständnis muss in den Köpfen drin sein, das muss man sich erarbeiten", macht Capretti deutlich. 

Ob Mannschaftskapitän Arnold Budimbu in der Lohrheide wieder mit von der Partie ist, ließ er noch offen. Der 31-Jährige hatte schon beim 1:3 gegen die SF Siegen am letzten Samstag mit muskulären Problemen im Kader gefehlt. 

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