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Foto: Tim Schülingkamp

FCB verspielt 2:0-Führung

Die Bilder unmittelbar nach dem Derby zwischen dem Fußball-Oberligisten 1. FC Bocholt und dem 1. FC Kleve sprachen gestern Bänder. Auf der einen Seite saßen die Spieler des Gastgebers auf dem Boden und blickten regungslos ins Leere. Auf der anderen Seite bejubelten die Klever Akteure ein 2:2 (1:0)-Unentschieden, mit dem wohl die wenigsten der rund 700 Fans in der Stölting-Arena nach 75 Minuten noch gerechnet hätten.

Da führte der 1. FC Bocholt durch zwei Tore von Nick Buijl 2:0 und hatte die Partie sicher im Griff. Und selbst nach dem 1:2 von Yusuke Unoki in der 77. Minute war es nicht so, dass der 1. FC Kleve mit Mann und Maus auf den Ausgleich drängte. Doch dann war in der 87. Minute ausgerechnet Michel Wesendonk zur Stelle, der vor der Saison vom Bezirksligisten TuB Bocholt nach Kleve gewechselt war und im Sommer wieder zu TuB zurückkehrt. „Mit diesem Hintergrund ist es natürlich schon etwas Besonderes, gegen den 1. FC Bocholt zu treffen“, sagte Wesendonk freudestrahlend.

Manuel Jara, Trainer des 1. FC Bocholt, stand das Entsetzen hingegen ins Gesicht geschrieben. „Das ist eine gefühlte Niederlage“, sagte Jara. Sein Team hatte nach rund 15 Minuten gut ins Spiel gefunden. Die erste gute Möglichkeit war auch gleich von Erfolg gekrönt. Philipp Meißner passte auf der rechten Seite auf Marc Beckert, der den Ball scharf vor das Tor brachte, sodass Nick Buijl für das 1:0 nur noch den Fuß hinhalten musste (20.). Fortan bestimmte der Gastgeber klar die Partie. Beckert prüfte Kleves Keeper Ahmet Taner mit einem Schuss aus guter Position (22.). Dann hätte Buijl nach Flanke von Christian Gurny das 2:0 machen müssen. Er setzte den Ball aber über das Tor (35.). Nur eine Minute später hatte Florian Abel, der diesmal die Position hinter der Spitze bekleidete, eine weitere gute Möglichkeit.

Erst gegen Ende der ersten Halbzeit fand der 1. FC Kleve wieder besser ins Spiel. In der 45. Minute musste Tim Winking in allerhöchster Not retten, sonst wäre der Ausgleich gefallen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit hatte der 1. FC Bocholt die Partie aber wieder im Griff. Und er legte in der 58. Minute das 2:0 nach. Nach einer Kopfballverlängerung von Alexandros Armen, der in der Sturmmitte den Vorzug vor Philipp Goris erhalten hatte, spitzelte Buijl den Ball über die Linie.

Dann begann die Zeit der Wechsel. In einem harten, aber doch fairen Derby hatte Abel einen Schlag auf den Spann bekommen. Für ihn schickte Jara nach einer Stunde Daud Gergery aufs Feld. Meißner musste zurück in die Viererkette und Daniel Neustädter rückte ins zentrale Mittelfeld. Später kamen Rishi Desai für den an Wadenproblemen leidenden Christian Gurny (73.) und André Bugla für den erschöpften Armen (78.).

Gut taten diese Wechsel dem Spiel des 1. FC Bocholt diesmal nicht. Er trat fortan nicht mehr so souverän auf. Gästetrainer Umut Akpinar hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass der Gegner abbaut und dem Sieg zu sicher ist, wie er in der Pressekonferenz sagte. „Das weiß ich aber nicht. Vielleicht habe ich auch falsch ausgewechselt“, sagte Jara.

Allerdings waren die Möglichkeiten in der Offensive beschränkt. Da auch Niklas Möllmann wegen einer Knieprellung ausfiel, hatte Jara nur noch Goris als weitere Offensivoption auf der Bank gehabt. „Das Hauptproblem war: Was machen wir auf den Seiten? Manchmal sieht man Dinge, die nicht funktionieren. Auch die bringen einen weiter“, sagte Jara. Er vermisste bei den Einwechselspielern den unbändigen Ehrgeiz, das Spiel über die Zeit zu bringen.

So langte es am Ende nur zum 2:2. „Und deshalb spielen wir auch nur um Platz zwei. Sonst hätten wir so ein Spiel gewonnen“, sagte Jara. Sein Team holte so nur einen Punkt auf den Tabellenzweiten SF Baumberg auf, der tags zuvor 3:4 gegen den TV Jahn Hiesfeld verloren hatten. Souveräner Spitzenreiter bleibt der VfB Homberg.

(Björn Brinkmann, Bocholter-Borkener Volksblatt vom 18.02.2019)