Vereinschronik

- Mittwoch, 04.11.2020 19:11 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten

Das 1. Jahrzehnt (1900–1910)

Das erste Jahrzehnt: 1900 – 1910

England gilt weltweit als „Mutterland des Fußballs“. Auf viele deutsche Klubs strahlte um die Jahrhundertwende die Liebe der Engländer für den Fußball aus. Und auch bei unserem Klub war es nicht anders. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kehrten die Brüder August und Martin Tangerding aus England nach Bocholt zurück. Sie brachten tolle Geschichten mit nach Deutschland. Sie erzählten im Freundeskreis von den Aktivitäten der Engländer in sportlicher Hinsicht und sie kamen zu der Erkenntnis, dass auch Bocholt dringend solche körperlichen Ertüchtigungen braucht. Die Heimgekehrten konnten Freunde und Bekannte begeistern und so beschloss man, einen Sportverein zu gründen. Am 21. August 1900 wurde der „Bocholter Fußball-Club 1900“ ins Leben gerufen.

Die Namen aller Gründer sind heute noch bekannt: August Tangerding, Hermann Boytink, Martin Tangerding, Leo Lück, Heinrich Joeres, W. van Oy, Edmund Wegmann, Emil Seeling, Adlof Wülfing, W. Escherhaus, Paul Boytink, W. Haverkamp und Ignatz Hötger. Zum Vorsitzenden wurde August Tangerding berufen. Bis 1906 blieb er in diesem Amt.

Der Fußballsport griff rapide um sich. Es entwickelte sich eine rege Sport- und Werbetätigkeit, so dass der Klub schnell 50 Mitglieder zählte. Die erste Platzanlage des „Bocholter Fußball-Clubs 1900“ lag an der Werther Chaussee. Doch nicht lange, der Eigentümer brauchte die Anlage für private Angelegenheiten. Der Frischgegründete Klub hatte deshalb große Sorgen – bis Hermann Boytink von seinem Besitz einen Teil zur Verfügung stellte. Zum Übergang, denn der Vorstand um August Tangerding hatte in der Zwischenzeit dem Klub am Gut Efing eine neue Anlage besorgt.

Das erste Spiel des Klubs fand am 25. August 1901 statt – also ein Jahr nach der Gründung. Am 21. März schloss man sich dem Rheinisch-Westfälischen Spielverband an, dem heutigen Westdeutschen Fußball-Verband, und schon ein Jahr darauf beteiligte man sich regelmäßig an den Verbandsspielen. Schon damals musste man weite Strecken in Kauf nehmen. So z.B. nach Mönchengladbach, nach Rheydt oder nach Duisburg.

Feiern konnten unsere Mitglieder damals schon kräftig. Das erste größere Fest war das 2. Stiftungsfest am 2. November 1902. Umso schlimmer war die erste Krise des Klubs im Winter 1902/03.

Etliche jüngere Mitglieder meldeten sich ab, bildeten einen eigenen Klub namens „Sturm“. Doch aus dem „Sturm“ wurde ein laues Lüftchen – ihm ging die Puste aus. August Tangerding bemühte sich mit den Mitstreitern nach Leibeskräften, die „Revolution“ der jüngeren beizulegen. Bei der Novemberversammlung des Jahres 1903 wurde schließlich ein neuer Vorstand gewählt. An der Spitze standen neben August Tangerding noch Carl Vadeges, Carl Wietholt und Carl Küpper.

Die Platzfrage war ein permanentes Problem. Der Platz am Gut Efing ging bald ebenfalls verloren. Aber in weiser Voraussicht hatten die Mitglieder in der Zwischenzeit in Eigenarbeit den südlichen Teil des späteren Sportplatzes am Gut Hünting gerodet. Die Anlage wurde „fußballtauglich“ gemacht. Der neue Platz lag „malerisch da“ berichtet ein Chronist – ganz vom Wald umgeben. 1904 wurde die neue Anlage bezogen. Und von diesem Zeitpunkt begann ein immens schneller Aufstieg des Klubs.

1906 gab´s den ersten Wechsel an der Spitze des Vereins. Für August Tangerding übernahm Zahnarzt Dr. Conrad Boers den Klub. Glanzzeiten begannen. Boers ließ die erste Holzumzäunung um den Platz errichten. Und der Sportverkehr wurde enorm intensiviert. Große Spiele gegen Duisburg, Ruhrort, Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz, Mönchengladbach, Rheydt, Emmerich und Wesel wurden ausgetragen. Und auch die internationalen Kontakte wurden gepflegt. So hatte man regelmäßig Spiele mit den Nachbarn aus Holland. So z.B. gegen Hengelo, Gohr, Lochem oder Arnheim. Ein erkämpfter Silberkranz aus dem Jahr 1910 in Gohr bei einem Turnier errungen, gehörte zu den ersten ganz großen Trophäen des Bocholter Fußball-Clubs 1900.

In der Zeit, als Conrad Boers Vorsitzender war (er fiel im 1. Weltkrieg als Oberleutnant zur See), blühte aber in Bocholt nicht nur der Fußball. Auch die Leichtathletik feierte große Erfolge. Dafür sorgte vor allem ein Mann: Hermann von Bönninghausen! Er vertrat die deutschen Farben sogar bei den Olympischen Spielen in London (1908) und Stockholm (1912). Bönninghausen starb leider viel zu früh. Eine tückische Krankheit, als folge des Krieges, raffte ihn 1919 im Alter von 30 Jahren dahin. Noch etliche andere Mitglieder des Klubs verloren im Krieg ihr Leben.

Erwähnt werden muss, dass im Jahr 1909 als zweiter Bocholter Klub der „Ballspielverein Bocholt“ gegründet wurde. Fast ausnahmslos junge Burschen hatten sich zusammengeschlossen, die sehr aktiv waren und viele Spiele abschlossen. Aber auch bei diesem Klub war bald „Endstation“, denn fast alle mussten in den 1. Weltkrieg.

Ein schwerer Rückschlag auch für unseren damaligen „Bocholter Fußball-Club 1900“. Der Spielbetrieb musste zunächst stark eingeschränkt werden, dann ruhte er ganz. Die Jugend musste an die Front.


In der nächsten Woche geht es weiter mit dem zweiten Jahrzehnt.