RevierSport Niederrheinpokal

- Mittwoch, 04.03.2020 22:03 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten

Lucky Punch bringt FCB ins Halbfinale

Der 1. FC Bocholt hat durch einen 2:1-Heimerfolg gegen den Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen das Ticket für das Halbfinale im Reviersport-Niederrheinpokal gezogen. Lars Bleker gelang mit der letzten Aktion des Spiels der Siegtreffer in einem intensiven Duell.

Es ist ein Tag der lange unvergessen bleibt: Der 1. FC Bocholt hat nach dem Wuppertaler SV den nächsten Regionalligisten aus dem Pokal gekegelt. Und das nicht nur wegen dem Geschehen auf dem Feld, dazu gleich mehr, sondern auch dem drumherum. Beim Anschalten des Flutlichts blieb ein Mast dunkel: Ein Anpfiff durch Schiedsrichter Lars Aarts wäre so nich denkbar gewesen. Innerhalb weniger Minuten war allerdings das Grünflächenamt der Stadt Bocholt mit einem Hubwagen vor Ort und konnte die Birne wechseln, einem echten Pokalfight stand also nichts mehr im Weg.

Vor dem Start in die Partie gab es zunächst eine Schweigeminute für Nader Akrami, dem gewaltsam aus dem Leben gerissenen Spieler unserer 3. Mannschaft. Dabei zeigte auch Rot-Weiß Oberhausen eine große Geste: Die Gäste sagten spontan zu, die ihnen zustehenden Einnahmen für das Pokalspiel ebenfalls der Spendenaktion zugute kommen zu lassen. Während der Schweigeminute kam dann auch die Dritte auf das Feld und gedachte gemeinsam mit den Spielern der Ersten dem Verstorbenen 21-jährigen.

Schwatten gehen früh in Führug

Im Anschluss ging es los, und wie: Von einem ruhigen Abtasten konnte keine Rede sein. Der FCB zeigte von Beginn an, dass sie sich nicht nur hinter verstecken wollen. Der erste nennenswerte Vorstoß ging von Pascale Talarski aus, der im Zentrum den Ball hatte und aus 25 Metern das Leder in die Maschen drosch. Ein Führungstreffer aus der Kategorie Traumtor (5.). Eine Antwort der Oberhausener ließ auf sich warte: Die Kleeblätter bissen sich immer wieder die Zähne aus und konnten die Defensivreihen der Schwatten nicht in größere Bedrängnis bringen. 

Während der erste gefährliche Torabschluss der Gäste noch auf sich warten ließ, hatten die Hausherren die große Chance auf de zweiten Treffer. Nach einem Ball auf Nick Buijl legte der quer auf den mitgelaufenen André Bugla, der alleine vor dem Oberhausener Keeper David Davari auftauchte aber scheiterte (23.). Im weiteren Spielverlauf wurden die Gäste zwar überlegener, hatten viel Ballbesitz, genutzt wurde dieser aber nicht. Im ersten Durchgang hatte RWO keinen gefährlichen Torabschluss.

Direkt nach Wiederanpfiff hatten viele Bocholter wieder einen Torschrei auf den Lippen. Timur Karagülmez tanzte sich durch die Abwehrreihe der Oberhausener, scheiterte aber am Ende ebenfalls am Gästekeeper (46.). Dann wurde es auch auf der anderen Seite gefährlich. Nach einer schnellen Kombination tauchten die Kleeblätter vor FCB-Keeper Jonas Wenzel auf. Dieser war schon geschlagen doch Arman Corovic kratzte den Ball von der Linie (50.).

Nach Rudelbildung: FCB in Unterzahl

Die Partie nahm richtig an Fahrt auf und nach einem Foulspiel von RWO-Kapitän Jannik Löhden an Pascale Talarski entstand eine Rudelbildung. Corovic behielt dabei seine Nerven nicht im Griff und sah nach einer Tätlichkeit die rote Karte. Die Bocholter waren von nun an also in Unterzahl (56.). Auch Löhden sah in dieser Aktion die gelbe Karte. Anschließend rückte Daniel Neustädter in die Innenverteidigung. Nach einer Unterbrechung bei der ein Spieler des FCB behandelt wurde sah auch der Mannschaftsarzt der Bocholter einen Platzverweis. Er hatte sich für die Schiedsrichter zu lautstark beschwert.

Jonas Wenzel war es dann zu verdanken, dass der FCB den Ausgleich zunächst noch verhindern konnte. Der 19-jährige Schlussmann parierte einen Abschluss aus kurzer Distanz überragend (65.). Chancenlos war er dann beim Treffer zum 1:1. Chihan Özkara konnte nach einer Flanke per Kopf den Ausgleich markieren (82.). Kurz nach Wiederanpfiff war Nick Buijl mit dem Ball am Fuß in der Oberhausener Hälfte unterwegs. Jannik Löhden konnte den Niederländer nur mit einem taktischen Foulspiel aufhalten und sah im Anschluss die Gelb-Rote Karte (83.). Beide Teams also jetzt nur noch mit zehn Mann.

In der vier Minuten andauernden Nachspielzeit, es hätte deutlich mehr sein können, gelang den Hausherren dann der Lucky Punch. Talarski spielte den Ball in die Spitze auf Buijl, ein Oberhausener Verteidiger ging dazwischen und legte unfreiweillig für Lars Bleker auf, der zum 2:1-Siegtreffer einschoss. Schiedsrichter Lars Aarts pfiff die Partie garnicht mehr an und auf Bocholter Seite kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

„Ich habe vorher schon einen Krampf gehabt."

„Ich habe vorher schon einen Krampf gehabt. Dann habe ich nur noch gedacht, dass der Ball irgendwie rein muss, weil nur noch 30 Sekunden zu spielen waren“, sagte Lars Bleker nach der Partie. Coach Manuel Jara resümierte nach Abpfiff: "Der Sieg ist sogar verdient, weil wir die besseren Chancen hatten." Auch sein Gegenüber, RWO-Ikone und Chefcoach Mike Terranova stimmte ihm auf der anschließenden Pressekonferenz zu: „Bocholt hat die Qualität, um den einen oder anderen Regionalligisten zu ärgern. Das haben sie schon vor diesem Spiel bewiesen. Groß analysieren möchte ich das Spiel eigentlich erst, wenn ich eine Nacht drüber geschlafen habe. Dann sieht man einige Dinge erfahrungsgemäß immer etwas anders. Dabei möchte ich es auch belassen und gratuliere dem 1. FC Bocholt zum Sieg und hoffe, dass sie im Pokal den ganz großen Wurf schaffen.“

Das Halbfinale wird am Montagabend ausgelost. Neben dem 1. FC Bocholt befinden sich noch Rot-Weiß Essen, der 1. FC Kleve und TVD Velbert im Lostopf.