Vereinschronik

- Mittwoch, 30.12.2020 12:12 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten

Die Goldenen Jahre (1971-1980)

Blick in die Vereinschronik: Die Jahre 1971 bis 1980

Heute blicken wir erneut zurück in unsere Vereinschronik: diesmal geht es um die "Goldenen Jahre" mit 2-jähriger Zugehörigkeit des 1. FC in der 2. Bundesliga Nord in den Saisons 1977/78 und 1980/81.

Viel Spaß beim Lesen!

Aufstieg unter Trainer Günther Werschy in die Verbandsliga

Im deutschen Fußball kann man von den „Goldenen 70er-Jahren" sprechen. Europameister 1972, Weltmeister 1974, Europacupsiege von Bayern München und Borussia Mönchengladbach am Fließband. Im Kleinen kann man die 70er auch für den 1. FC Bocholt als die bisher erfolgreichsten einstufen.

Ein Erfolg reihte sich an den anderen. Allerdings gab's dazwischen auch noch einige nicht einkalkulierte Rückschläge. Dafür konnte allerdings unser Verein nichts...

Es begann gleich zu Beginn der 70er. In der Saison 73/74 dominierte unser 1. FC in der Landesliga wie schon lange nicht mehr. Schon Wochen vor Beendigung der Meisterschafts-Rückrunde stand unser Klub als Meister und Aufsteiger in die Verbandsliga fest. 50:6 Punkte hatte die Elf unter dem damaligen Trainer Günther Werschy erreicht, da erlitt sie ausgerechnet beim Angstgegner TuS Xanten ihre erste und einzige Niederlage.

Trotzdem war der Vorsprung am Ende der Spielzeit gravierend. Die Verfolger RSV Geldern und TuS Xanten lagen 12 Punkte zurück. Am 25. Mai 1974, in dem Jahr als Deutschland Weltmeister wurde, feierten die FCer im Parkhaus Stadt Bocholt enthusiastisch den Aufstieg. Dieser Erfolg war im Grunde schon die Basis für die weiteren Erfolge in den Jahren darauf. 

Aber einige Spieler verließen den Verein: Wendholt, Struck, Börsch, Hülsken und leider auch noch Stefan Koenen, der von einem Achillessehnenriß außer Gefecht gesetzt wurde. Dafür kamen Georg Schmeinck (A-Jugend), Lerch, Schmitz, Maslowski, Messing, van den Berge und Pangerl zum Hünting. Ein Verdienst des damaligen Vorsitzenden Berni Hegmann und von Friedel Elting, der nach jahrelanger Abstinenz zum 1. FC Bocholt zurückgekehrt war.


Aufstieg 1977 in die 2. Liga Nord: Der 1. FC ist zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im bezahlten Fußball!

Doch Elting und Co. warfen die Flinte nicht ins Korn. Die Parole hieß: „Wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten!" Fast problemlos steuerte der 1. FC in der Saison 76/77 wieder dem Titel zu. Da passierte im Januar 1977 ein großes Malheur. Franz de Vos, das große Bocholter Torwarttalent, erkrankte schwer und mußte den aktiven Sport aufgeben. Der 1. FC stand plötzlich ohne Keeper da. Doch Friedel Elting wußte Rat.

Er reaktivierte Froebus, mit dem er jahrelang zusammengearbeitet hatte. Und siehe da: Es klappte! Hinter den Amateuren von Fortuna Düsseldorf wurde unser 1. FC Zweiter und stand damit erneut in den Aufstiegsspielen zur 2. Liga. Und diesmal ließ die Truppe „nichts anbrennen". Souverän wurde der Aufstieg geschafft. Unser 1. FC stand 1977 zum erstenmal in seiner langen Geschichte im bezahlten Fußball!

Die Namen, die damals im Team des 1. FC Furore machten, sollen hier nicht unerwähnt bleiben: Pakenis, Schmeinck, Geisler, van Huet, Roeloffzen, Buhsfeld, Krause, Voigt, Pangerl, Fröbus, Montelett, Weikamp und Tänzer.

In der 2. Liga verkaufte sich unser Klub hervorragend. Am Hünting verloren viele Favoriten. So RW Essen oder Arminia Bielefeld. Nur gegen den SC Herford klappte es nicht. Und das hatte Folgen. Am Schluß der Saison fehlte unserem 1. FC ein Tor zum Klassenerhalt. Entscheidend war, daß Bayer Uerdingen zu Hause gegen Osnabrück nur 0:0 spielte. Wir Bocholter hatten felsenfest mit der Rettung und dem Klassenerhalt gerechnet. Doch Fußball kann brutal sein: Mit 32 Punkten und 66 erzielten Toren mußten wir absteigen!

Der beste Aufsteiger und Absteiger, den es je gab!

Zwangsabstieg trotz Platz 11 in der Saison 1980/81 wegen Einführung der eingleisigen 2. Liga

Natürlich wollten Elting und Co. sofort wieder rauf. In der neu gegründeten Oberliga Nordrhein fehlte am Ende der Saison 78/79 nach einem tollen Kopf-an-Kopf-Rennen mit RW Oberhausen nicht viel, dann wäre der Traum Wirklichkeit geworden. In der Saison 79/80 war es dann aber endgültig wieder soweit. Der 1. FC stand erneut in der 2. Liga. Und wieder erlebte der Hünting tolle, unvergessene Schlachten. Unser Klub sorgte in der 2. Liga für Gesprächsstoff. In Bremen wurde sogar gewonnen (2:1 durch Tore von Jürgen Tänzer und Peter Müller), in Hannover lief es prächtig (Endstand 1:1 durch Uwe Montelett).

Diese Spielzeit 80/81 lief glänzend für unsere junge Mannschaft, die so phantastisch fighten konnte. Doch da kam der Deutsche Fußball-Bund in die Quere. Die eingleisige 2. Liga wurde geschaffen. Nord und Süd wurden zusammengelegt.

Das bedeutete: Selbst ein für einen Aufsteiger glänzender 12. Platz reichte nicht! Zwangsabstieg! Schlimmer konnte es nicht kommen. Pech, viel, viel Pech für unseren Klub. Wir wollen nicht zu weit gehen, aber eins dürfte feststehen: Hätten wir damals nicht absteigen müssen, wären wir wahrscheinlich heute noch im bezahlten Fußball! [Anm. d. Red.: Artikel aus dem Jahr 1990]

Auch die Namen, die in der 2. Liga die Bocholter Farben vertraten, sollen hier aufgeführt werden: Franke, Hansel, Lütkebohmert, Bockenfeld, Keuken, Patzke, Montelett, Tänzer, Majgl, Müller, Riege, Philipp, Roeloffzen, Albrecht, Segen, Kieselmann und Schubert.


Quelle: "Festschrift zur 90-Jahr-Feier des 1. FC Bocholt aus dem Jahr 1990"