Vereinschronik

- Samstag, 26.12.2020 12:12 Uhr | Lesedauer: 4 Minuten

Entscheidungsspiele und Ernüchterung (1951-1970)

1959: Erneuter Sprung in die höchste deutsche Amateurklasse (Verbandsliga Niederrhein)

Nach dem Aufstieg in die höchste deutsche Amateurklasse regte sich was am Hünting. Wirtschaftlich ging's den Leuten nach den Kriegswirren wieder besser und davon profitierte auch unser Klub. Der Zuschauerandrang zu unseren Heimspielen war beachtlich. Bei jeder Partie war der Vorplatz unseres Vereinsgeländes voll von Fahrrädern. Und einige kamen sogar schon mit Autos.

Rein sportlich ging es aber auf und ab. Der Verbleib in der höchsten deutschen Amateurklasse war leider nicht von Dauer. Deutlich nach oben ging es erst wieder Ende der 50er Jahre. Die Leistungen wurden konstanter, die Wechsel zwischen Hochs und Tiefs wurden weniger.

In der Saison 1957/58 stand unsere 1. Mannschaft zum Abschluß der Saison punktgleich mit den Sportfreunden Katernberg an der Tabellenspitze der Landesliga, damals die zweithöchste Amateurklasse. Deshalb mußte ein Entscheidungsspiel herhalten.

Das fand ausnahmsweise mal nicht in Emmerich statt, wo wir vorher schon einige Male antreten mußten, sondern in Sterkrade. Mit viel, viel Pech wurde dieses Entscheidungsspiel um den Aufstieg mit 1:2 verloren.

Unsere damalige Mannschafts-Aufstellung: Häsler, Möllmann, Heselhaus, Damhuis, Voigt, Elting, B. Iding, Fischer, H. Iding, Ulrich und Hüls. Aber sowohl unsere Vereinsführung als auch unsere Mannschaft ließen sich nicht entmutigen. Im nächsten Jahr wurde ein neuer Anlauf gestartet. 

Und tatsächlich:  Die Saison 58/59 brachte schließlich doch noch den gewünschten Erfolg! Mit einem Punkt Vorsprung vor BV Altenessen wurde der Sprung in die Verbandsliga Niederrhein geschafft. Als erster und einziger Klub Bocholts spielte der 1. FC wieder in der höchsten deutschen Amateurklasse. 

Das entscheidende Spiel fand am Hünting statt. Duisburg 1900 wurde mit 1:0 geschlagen. Für alle Chronisten hier die Mannschaftsaufstellung unseres Klubs aus diesem Jahr: Häsler, Iding, Heselhaus, Damhuis, Voigt, Elting, Ulrich, Fischer, Möllmann und Hüls. Also im Grunde eine mit dem Vorjahr identische Mannschafts-Aufstellung.


Friedel Elting: Seele der Mannschaft und Niederrhein-Auswahlspieler

Im Mittelpunkt des damaligen Teams stand schon Friedel Elting, unser heutiger Coach [Anm. d. Red.: Artikel aus dem Jahr 1990]. Er war offensiver Mittelfeldspieler, „Seele" der Mannschaft und Niederrhein-Auswahlspieler. Diese Mannschaft hielt sich drei Jahre in der Verbandsliga, musste dann wieder den bitteren Weg in die Zweitklassigkeit des Amateurbereichs antreten.

Aber der 1. FC Bocholt hatte in dieser Zeit, wie in all' den Jahrzehnten vorher, erneut eine hervorragende Nachwuchsarbeit, auf die der Klub aufbauen konnte. Es kamen immer wieder neue Talente nach vorne. Wie stark die Jugend damals war, zeigte das Jahr 1958.

Unsere A1-Jugend sicherte sich den 2. Platz in der Niederrhein-Meisterschaft. Ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, gegen welch große Konkurrenz man schon seinerzeit spielen musste. Die Jugend-Abteilung hatte sich ohnehin „explosionsartig" in den letzten Jahren vergrößert. Mitte der 50er Jahre kam eine Knabenabteilung hinzu (für 10-12jährige).

Teilweise spielten in dieser Zeit 11 bis 12 Mannschaften in der Jugend-Abteilung unseres Vereins. Kein Wunder, daß die Jugendtrainer und Betreuer über Mangel an Trainings- und Umkleide-Möglichkeiten klagten. Das Angebot an Plätzen und Kabinen hatte nicht mitgehalten mit der Entwicklung.  Vor dem 2. Weltkrieg bestand unsere Jugend-Abteilung aus einer, höchstens aus zwei Mannschaften.  Die gute Nachwuchsarbeit war ein wichtiges Fundament für die kommenden, schweren Jahre! 


1970: Niederlage im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in Emmerich gegen den FC Olympia

Das 7. Jahrzehnt unseres Klubs muss man leider mit dem Wort „Magerkost" überschreiben. Immer wieder wurden neue Anläufe in punkto Wiederaufstieg genommen, aber es wollte einfach nicht mehr klappen. 1962 war man nach dreijähriger Zugehörigkeit zur Verbandsliga leider wieder in die Landesliga abgestiegen. Der Fahrstuhl nach oben war ständig besetzt. Immer wieder gelang es anderen Vereinen, sich vor dem 1. FC zu platzieren. Erst gegen Ende der 60er Jahre ging es merklich wieder aufwärts. Aber das Glück stand in dieser Zeit trotzdem nicht auf Seiten unseres 1. FC. 

Ein Paradebeispiel war die Saison 1969/70. Friedel Elting hatte 1968 als Spieler aufgehört, machte aber als Trainer weiter. In diesem Jahr wurde unsere 1. Mannschaft Meister der Landesliga, Gruppe III, punktgleich mit unserem Nachbarn FC Olympia Bocholt. Das notwendige Entscheidungsspiel um den Aufstieg fand wieder mal in Emmerich statt.  

17.000 Zuschauer erlebten damals diese Partie, eine ungeheure Euphorie war beim Vergleich „Schwarz gegen Grün" angesagt. Aber da der 1. FC in Entscheidungsspielen bisher kaum einmal Glück gehabt hatte, gab es schon vor diesem Spiel etliche „Schwarzmaler" in unserem Verein. Und sie sollten (leider) auch noch recht behalten...

Es wurde eine packende Partie, aber Olympia hatte das Glück des Tüchtigen. 4:3 hieß es am Ende für die „Grünen". Der 1. FC spielte damals mit der Mannschaft: Fröbus, Bredau, Roeloffzen, Pakenis, Holtschlag, Seidel, Redwanz, Lehwald, Eusterfeldhaus, Pergande, Kazmiercak und Hassenberg.


Friedel Elting wechselt 1970 zum STV Horst-Emscher

Logisch, daß bei unserem 1. FC eine Riesen-Enttäuschung herrschte. Die Aussichten auf eine erfolgreichere und glücklichere nächste Saison 70/71 sanken auf ein Minimum, als bekannt wurde, daß Friedel Elting, unser langjähriger Spieler und Trainer, den 1. FC Bocholt verließ und zum STV Horst-Emscher „übersiedelte".  

Mit ihm zwei Säulen unserer Mannschaft: Torhüter Hansi Froebus und Jan Roeloffzen. Kein Wunder, dass unter diesen Umständen kaum jemand daran glaubte, dass nach dem verloren gegangenen Entscheidungsspiel das „Gesetz der Serie" Bestand haben würde. Zuvor wurde nach einem Misserfolg in einem Entscheidungsspiel im Jahr darauf stets der Aufstieg geschafft.

Doch davon konnte man bei unserem 1. FC nach diesen „Nackenschlägen" nur träumen! Der Vorstand erkannte, dass neue Wege beschritten werden mussten. Die große finanzielle Unterstützung des Klubs war zu dieser Zeit nicht vorhanden und so musste sich der Verein mehr denn je auf die eigene Nachwuchsförderung verlassen. Tatsächlich rückten einige große Talente nach.

Namen wie Franz de Vos, Franz-Josef Wendholt oder auch Klaus Struck waren in aller Munde. Aber in punkto Aufstieg musste unser Klub trotzdem noch etwas warten. Wunder dauern meistens etwas länger...


Quelle: "Festschrift zur 90-Jahr-Feier des 1. FC Bocholt aus dem Jahr 1990"