Vereinschronik

- Montag, 14.12.2020 13:12 Uhr | Lesedauer: 4 Minuten

Krieg und Wiederaufbau (1931-1950)

Vereinschronik von 1931 bis 1950

Heute schauen wir zusammen auf die beiden Jahrzehnte in der Vereinsgeschichte des 1. FC Bocholt, die in die schwere Zeit der Nazi-Herrschaft und des 2. Weltkriegs und den Wiederaufbau ab 1945 fallen.


1937 Fusion mit dem "Ballspielverein Bocholt"

In den 30er-Jahren hatte unser Klub große materielle Schwierigkeiten zu überstehen. Neue Männer kamen an die Spitze. Für Heinz Tillmann folgte Oskar Becher, der von 1932 bis 1935 das Vereinsschiff lenkte. Danach kam Anton Düpmann an die Spitze. Unter dem Vereinsnamen FCB, vormals 1900, gab es viele schöne Erfolge zu verzeichnen. In der Saison 32/33 erkämpfte sich die 1. Mannschaft die Meisterschaft in ihrer Klasse und schaffte den Aufstieg. Dann wurde im Spielbetrieb alles neu geordnet. Unser Team wurde dem ,,Gau Westfalen" zugeordnet. Auch in neuer Umgebung gab's auf Anhieb schöne Erfolge. Der Meistertitel ging nach Bocholt.

1937 fand dann „das" einschneidende Ereignis in der Vereinsgeschichte unseres Klubs statt. Mit dem "Ballspielverein Bocholt" wurde fusioniert. Neuer Name des Klubs: "Ballspielverein 1900 Bocholt". Die Traditionen beider Vereine wurden beim Vereinsnamen berücksichtigt.

Interessant ist, dass die Geschichte des Ballspielvereins Bocholt bis in das Jahr 1909 zurückreicht. Er war der zweite große Bocholter Fußballverein. Der 1. Weltkrieg brachte jedoch ein jähes Ende. Zwar hatte Hermann Lütkenhorst schon 1924 versucht, den Verein wieder aufleben zu lassen, aber das gelang nicht. Erst 1931 war der alte Ballspielverein wieder zugelassen. Im Osten Bocholts wurde trotz größter Arbeitslosigkeit in Eigenarbeit einiges geschaffen. 

Namen wie Bernhard, Hermann und Heinrich Ehlting; Fritz und  Johann Werneke, Bernhard Gerritzen, Alois Ilting, Heinrich Schwung und Hermann Lütkenhorst standen an vorderster Stelle. 

Gasthof "Vier Jahreszeiten" wird Vereinslokal

Der Gasthof „Vier Jahreszelten" wurde Vereinslokal. 62 Mitglieder waren 1931 bei der neuen Gründungsversammlung anwesend. 1. Vorsitzender des Ballspielvereins wurde Heinrich Schwung, Hermann Lütkenhorst wurde Geschäftsführer und Bernhard Ehlting Kassierer. Diese Männer führten den Verein wieder nach oben, aber nur durch die Hilfe des Turnvereins Phönix konnte eine Spielerlaubnis erwirkt werden.

1937 schließlich wurden die beiden besten Klubs Bocholts „verschmolzen". Schon vorher hatte es gute Kontakte zwischen beiden Vereinen gegeben. Hermann Lütkenhorst wurde auf Wunsch beider Seiten zum 1. Vorsitzenden gewählt. Der übrige Vorstand wurde paritätisch zusammengesetzt.

Die 1. Mannschaft wurde natürlich stark durch den Zusammenschluss. Aber es wurde aus kameradschaftlichen Gründen nicht immer die stärkste Mannschaft aufgestellt, weil zu viel Rücksicht genommen wurde. Deshalb langte es erst im dritten Jahr nach der Fusion zum Aufstieg in die Bezirksklasse. Emsdetten 05 wurde geschlagen. Zur siegreichen Mannschaft gehörten damals: Sahlmann, Nienhaus, Lammers II, P. Lütkenhorst, Drechsler, Valk, Lobner, A. Sonders, Hessling, Möllmann und Tonkamp.

Gute Erfolge bis in das dritte Kriegsjahr

Der neue Fusionsverein „Ballspielverein 1900 Bocholt" hatte gute Voraussetzungen. Aber die Politik, das sogenannte Dritte Reich, und der 2. Weltkrieg sorgten für böse Rückschläge. Viele junge Mitglieder wurden einberufen, viele kamen nicht zurück. Bis in das dritte Kriegsjahr hinein hatte unser Klub trotzdem noch gute Erfolge zu verzeichnen - das Ergebnis hervorragender Nachwuchsarbeit. 

Auch für die Vorstandsleute wurde die Arbeit immer schwerer. Trotz der immens großen Schwierigkeiten gab es aber Immer noch genügend Leute, die für das Fortbestehen des Klubs und für gute Arbeit sorgten. Neben dem Vorsitzenden sollen hier vor allem Namen wie Paul Holtick, Hans Valk, Joseph Möllmann und Franz Schmäink genannt werden. 

Neue "Schüler-Abteilung" wird westfälischer Gebietsmeister

Die zu Anfang des Jahres 1940 neu ins Leben gerufene Schüler-Abteilung hatte sich aus kleinsten Anfängen heraus immer besser entwickelt. Bald zählte sie zu den größten und spielstärksten Abteilungen des ganzen Bezirks. In den Zeiten, als die Spieler der ersten Mannschaften fast ausnahmslos im Krieg waren, trat der Nachwuchs auf den Plan. Weit über die Grenzen der Stadt hinaus war er führend. Einmalig war das Abschneiden der im Frühjahr 1940 neu ins Leben gerufenen Nachwuchsmannschaft, die von Paul Holtick betreut und trainiert wurde. Sie wurde Jahr für Jahr Meister ihrer Klasse. Am 1. August 1943 folgte in Münster die Krönung. Durch einen 2:1-Sieg über den SV Neuhaus wurde sie westfälischer Gebietsmeister. Die Namen dieser Jugendspieler sind unvergessen: Köhler, Redemann, Niehuis, P. Hüls, A. Lütkenhorst, Brück, Wenning, Topp, Tacke, Methling, Wenning, Voigt, Schneider und Bücker.

Erst 1944 wurde auch dieses Team gezwungen, den Sport einzustellen, der Krieg trat in die entscheidende und schrecklichste Phase. Die ganze Zeit über hatten die Jugendspieler Kontakt zu Ihren Vorbildern der 1. Mannschaft gehalten, die an der Front standen. Feldpostbriefe gingen hin und her.


Neuer Name "1. FC Bocholt" ab dem Jahr 1946

Viele Spieler kamen nicht zurück, andere kamen in Kriegsgefangenschaft. Nach Beendigung des Krieges aber ging es In unserem Verein trotzdem relativ schnell wieder aufwärts. Im Dezember 1945 wurde eine neue Satzung entworfen; am 3. Januar 1946 erhielt der Vorstand mit Hermann Lütkenhorst als 1. Vorsitzenden und August Riepenhoff als 2. Vorsitzenden das Vertrauen. Riepenhoff wurde später zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Die Alliierten und Besatzungsmächte zwangen die Vereinsführung, den alten Vereinsnamen abzulegen. Nur so war der Spielbetrieb zu gewährleisten. Im Bewusstsein alter und basierend auf den ersten Bocholter Fußball-Traditionen entschloss man sich zum neuen Namen "1. Fußball-Club Bocholt". Der heutige FC war geboren. 

Höhepunkte des Jahres 1946 waren die Vereinsfeiern am 25. August und am 14. November, die Süddeutschland-Fahrt der A-Jugend und die Vereinsmeisterschaften In der Leichtathletik.  


Aufstieg in die höchste deutsche Amateurklasse nach 6:1-Sieg gegen Rheingold Emmerich am 18. Juni 1950

1948 wurde das neue Spielgelände am Hünting fertig. Durch die sportlichen Erfolge der 1. Mannschaft setzte bald ein Zuschauer-Boom ein. Mehr als 16.000 Zuschauer sahen 1949 den wichtigsten Kämpfen zu. Der entscheidende Tag war schließlich der 18. Juni 1950. Im Jubiläumsjahr schaffte unsere 1. Mannschaft den Aufstieg in die höchste deutsche Amateurklasse gegen den großen Konkurrenten SC Osterfeld und durch einen 6:1-Sieg im entscheidenden Spiel gegen Rheingold Emmerich. Jeder, der dieses Spiel miterlebte, wird es nie vergessen. Ein ganz, ganz großer Tag in der Geschichte des 1. FCB! Die Grundlage für weitere erfolgreiche Jahre war gelegt.


Quelle: "Festschrift zur 90-Jahr-Feier des 1. FC Bocholt aus dem Jahr 1990"