1. Mannschaft

- Mittwoch, 22.04.2020 11:04 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten

"Ein Trainer sollte seiner Mannschaft in allen Spielphasen Ideen mitgeben"

Redaktion:  Hallo Jan, herzlich Willkommen am Hünting. Du hast nun einen Vertrag für die nächsten beiden Spielzeiten bei den Schwatten unterzeichnet. Das du zum Hünting als Co-Trainer zurückkehrst war vorher schon geplant. Noch vor deinem Amtsantritt hat man dich zum Chef-Trainer befördert. Warst du sofort begeistert von der Idee? 

Jan: Mit dem Vorstand saß ich ja bereits frühzeitig zusammen, als es noch um den Co-Trainer-Posten ging. Da gab es bereits einige Übereinstimmungen bezüglich der Ideen und Ambitionen des 1. FC. Nach Manuels Rücktritt wurden die Gespräche dann intensiviert. Da musste ich nicht lange überlegen, das ist eine extrem spannende Aufgabe bei einem tollen Verein.

Redaktion:  Mit 24 Jahren liegst du knapp über dem Durchschnittsalter von 23,39 Jahren und laut Reviersport bist du der zweitjüngste Trainer der obersten 5 Ligen in Deutschland. Machst du dir darum Gedanken oder siehst du das vielleicht sogar als einen Vorteil?  

Jan: Die Thematik ist verständlich und hat mich bereits durch meine gesamte Trainerkarriere begleitet, aber das ist kein Problem. Eine Fußballmannschaft muss merken, dass da ein Trainer vor ihnen steht, der Ahnung von Fußball hat und der sie führen kann. Da geht es weniger um das Alter, sondern um die Fachkompetenz. Sollte ein Spieler sich zu sehr über mein Alter Gedanken machen, wird er vermutlich selber Probleme kriegen, seine bestmögliche Leistung abzurufen.

Redaktion:  Die Vorfreude war groß, als man mit dem 1.FC Kleve einen langjährigen Rivalen im Pokal zugelost bekommen hat. Dann brachte die Corona-Krise viel Ungewissheit. Hast du die Hoffnung das es im Pokal noch weiter geht?  

Jan: Diese tolle Pokalsaison hat es auf jeden Fall verdient, eine Fortführung zu bekommen. Ich bin mir sicher, dass der Verband sinnvolle Lösungen findet, um den Pokal zu Ende zu bringen. Dann wollen wir auch alles in die Waagschale schmeißen, um den Pott zu holen und in die Endrunde einzuziehen. 

Redaktion:  Du übernimmst bei den Schwatten eine intakte Mannschaft, die diese Saison vor allem im Pokal überzeugt hat. Konntest du dir schon einen ersten Eindruck vom Team machen?  

Jan: Ich habe natürlich im Vorfeld viele Spiele sehen können. Wir haben da eine qualitativ hochwertige Mannschaft zusammen, die eine sehr gesunde Altersstruktur hat. Ein großes Plus kann es sein, dass sie bereits eingespielt ist, sowohl fußballerisch, als auch menschlich. Man darf trotzdem nicht vergessen, dass wir auf Tabellenplatz 4 stehen. Es liegt also noch genug Arbeit vor uns.

Redaktion:  Zwei Jahre warst du Co-Trainer von Manuel Jara, danach ging es als Chef-Coach zu Westfalia Gemen. In dieser Zeit hast du mit Sicherheit eine eigene Spielidee entwickelt. Lieber Konter-Fußball oder Ballbesitz? 

Jan: Ein Trainer sollte seiner Mannschaft in allen Spielphasen Ideen mitgeben, das ist mein Ansatz. Wenn du das Spiel nicht ganzheitlich betrachtest, wirst du entscheidende Prozentpunkte verlieren. Wir wollen nach und nach eine Spielidee etablieren, die es möglich macht, auf Dauer möglichst weit oben zu stehen. Das geht meiner Ansicht nach nur über hohen Ballbesitzanteil und aggressives Pressing sowie Gegenpressing. Trotz Ballbesitz darf es bei mir aber auch gerne schnell Richtung gegnerisches Tor gehen. Grundlage für jede Taktik ist aber Leidenschaft und Teamgeist. Wenn eine Mannschaft nicht miteinander und füreinander kämpft, wird sie nicht viele Spiele gewinnen.

Redaktion: Dein Bruder, Tim Winking, ist Kapitän der Mannschaft, die du nun übernimmst. Habt ihr vorher miteinander gesprochen und gab es dadurch bedenken?   

Jan: Selbstverständlich haben wir darüber gesprochen. Eins ist Fakt: Sobald wir für den 1. FC Bocholt im Einsatz sind, ist er Spieler und ich Trainer. Da er bereits seit etlichen Jahren Kapitän und Leistungsträger dieser Mannschaft ist, wird es umso weniger problematisch.

Redaktion:  Du wirst durch die Corona-Krise viel Zeit haben um dir Gedanken, über das Team, dein Training und deine Spielidee, machen zu können. Kommt dir das entgegen oder würdest du am liebsten morgen loslegen?  

Jan: Ich glaube, dass jeder Fußballer und jeder Trainer gerade einfach nur wieder auf den Platz will. So geht es mir natürlich auch.

Redaktion:  Traditionsvereine haben oft ein sehr emotionales Umfeld. Siehst du das ehr als Vor- oder Nachteil?  

Jan: Wir möchten dieses Umfeld positiv nutzen, da steckt unheimlich viel Potenzial drin. Man hat gerade bei den Pokal-Highlights gemerkt, was dieser Verein für eine Energie entwickeln kann. Die Fans sollen in jedem Spiel merken, dass sich die Mannschaft auf dem Platz zerreißt und alles dafür gibt, um das Spiel zu gewinnen. Wichtig wird es außerdem sein, dass wir im Verein zusammenrücken und die Kräfte bündeln, um den Verein in allen Bereichen voranzubringen.

Redaktion:  Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir eine erfolgreiche Zeit bei den Schwatten. Bleib Gesund!