Erinnerungen

Als sich der FC-Tross durch Köln schlängelte

Erinnerungen an die damalige Zeit kommen immer wieder auf. Spiele, die man nie vergisst. Hier die größten Erfolge in geraffter Form, seit 1977:

Zum ersten mal stieg der 1.FC Bocholt 1977 in die zweite Liga auf. Hinter Fortuna Düsseldorf war das Team Zweiter am Niederrhein geworden, qualifizierte sich aber trotzdem für die Aufstiegsrunde, weil Düsseldorf daran nicht teilnehmen durfte (die erste Mannschaft spielte schon im bezahlten Fußball).

Stimmung am Hünting wie beim Karneval in Rio

Es herrschte am Hünting teilweise eine Stimmung wie beim Karneval in Rio. In Bocholt gab´s eine ungeheure Euphorie. Zu jedem Auswärtsspiel setzte sich eine große Karawane von Autos und Bussen in Bewegung. Es gab Spiele, da waren auf des Gegners Platz zumindest genauso viele Bocholter wie Einheimische; wie in Köln bei der Fortuna, als sich ein Lindwurm von über 30 Bussen durch Köln schlängelte - und Radiomoderator Kurt Brumme am WDR-Mikrophon endlich aufatmete: "Die Bocholter sind angekommen; das Spiel kann gleich beginnen!"

Der FC zeigte viele Klassespiele. Er verkaufte sich als Aufsteiger hervorragend. Am Hünting konnten die Gegner kaum gewinnen. Selbst Arminia Bielefeld, das später in die Bundesliga aufstieg, verlor zweimal. Auch RW Essen blieb auf der Strecke.

Trotzdem stand am Ende der Saison 1977/78 der Abstieg. Gerd Clotten, der damalige Präsident: "Das war alles nicht mehr normal. Wir hatten 32 Punkte und 66 erzielte Tore, mussten aber trotzdem zurück in die Amateur-Oberliga. Bei uns herrschte damals eine tiefe Trauer".

Es regte sich damals auch ein "Jetzt-erst-recht-Gefühl". Clotten: "Wir wollten unbedingt zurück in die zweite Liga." "Nie mehr gegen Baesweiler", war damals ein Spruch, den Friedel Elting gerne von sich gab.

Im Jahr darauf, in der Saison 1978/79 klappte es noch nicht. "Nur" Zweiter! Aber in der Saison 1979/80 war es dann wieder soweit. Souverän beherrschte der 1.FC die Oberliga und stieg wieder auf. Die Stimmung war genauso gut wie 1977 beim ersten Aufstieg. Das Team war noch um einen Deut stärker.

Spieler wie Roeloffzen, Bockenfeld, Patzke, Hansel, Philipp, Kieselmann, Maygel, Müller, Sprenger, Korbel oder Tänzer sorgten für positive Schlagzeilen. Vor allem Tänzer tanzte in der zweiten Liga eine Samba nach der anderen, genau wie er es vorher in der Oberliga getan hatte.

Tänzers Schnelligkeit und Torgefährlichkeit hatten sich schnell bei der Konkurrenz herumgesprochen. In Bremen allerdings zu spät! Dort trumpfte Aufsteiger 1.FC Bocholt besonders groß auf, schlug den hohen Favoriten im eigenen Stadion. Bocholt stand sogar kurz an der Spitze der 2.Liga

Aber das Glück war nicht mit den Tüchtigen. Der Deutsche Fußball-Bund hatte beschlossen, die beiden 2. Ligen Nord und Süd zu einer zusammenzulegen - ausgerechnet in diesem Jahr! Und deshalb musste der 1.FC am Ende der Spielzeit, trotz eines glänzenden 11. Platzes, wieder in die Oberliga zurück.

1. FC forderte den Bayern im DFB-Pokalviertelfinale alles ab!

Ein ganz großer Tag war der 3. März 1984. Bayern München, der mehrfache deutsche Meister, am Hünting! Die Bayern hatten schon im Mai 1983 in Freundschaft beim 1.FC gespielt. Doch jetzt kamen sie zu einem Pflichtspiel: Viertelfinale im DFB-Pokal.

16.350 Karten durften aus Sicherheitsgründen nur verkauft werden. Der Hünting war so voll, dass quasi keine Maus mehr ins Stadion passte. Und es herrschte eine Tolle Stimmung - ein absoluter Höhepunkt der 100-jährigen Vereinsgeschichte. Die Bayern kamen mit allen Assen, ob sie nun Pfaff, Rummenigge, Augenthaler, Dürnberger, Pflügler, Hoeneß, Nachtweih oder Lerby hießen. Sie fühlten sich in Bocholt ausgesprochen wohl, wie sie im Nachhinein immer wieder betonten. Die Bayern waren aber auch erstklassig untergebracht - im Schloss Diepenbrock in Bocholt-Barlo.

Dass die Bayern sich besonders gern an Bocholt erinnern, liegt natürlich auch darin begründet, dass sie als Sieger den Hünting verließen. Knapp mit 2:1 gewann der Deutsche Meister und zog damit ins Halbfinale ein. Der 1.FC hielt sich gegen den hohen Favoriten beachtlich. "Ein echter Hit", urteilte damals Trainer Rolf Müller.

Die FC-Mannschaft hatte schon in den Runden zuvor für Furore gesorgt. In der ersten Hauptrunde war zunächst Hassia Bingen der Gegner gewesen. 4:4 nach Verlängerung in Bingen, dann beim Wiederholungsspiel 3:2. In der zweiten Runde wurde Kickers Stuttgart mit 3:1 geschlagen, und dann folgte der Knaller gegen Eintracht Braunschweig mit 3:1 nach Verlängerung. Fast 20.000 Zuschauer bevölkerten den Hünting - absoluter Zuschauerrekord. So viele Fans waren zuvor noch nie am Hünting gewesen, auch nicht in den Lokalduellen gegen Olympia. Gegen die Bayern wären sicher noch mehr Zuschauer gekommen, aber das ließ die Stadt nicht zu. Sicherheit ging vor - mit Recht!!

Ein schöner Trost für den 1. FC Bocholt war, dass die Bayern auch noch deutscher Pokalsieger wurden - durch ein 7:6 im Elfmeterschießen im Finale gegen Borussia Mönchengladbach. Das Spiel selbst war nach Verlängerung 1:1 ausgegangen. Der Mann, der den entscheidenden Elfmeter für Gladbach in die "Wolken" schoss, hieß Lothar Matthäus und wechselte wenig später nach München. Die FC-Mannschaft versuchte fast zur gleichen Zeit, die 2.Liga zu erreichen, stand in der Aufstiegsrunde, scheiterte jedoch.

Tolle Pokalspiele: 1951 Fortuna Düsseldorf besiegt

Die Spiele im Jahr 1984 waren aber keineswegs die einzigen Erfolge im Pokal. 1951 schlug der 1.FC den SC Fortuna Düsseldorf - zu dieser Zeit Oberligist und damit in der höchsten deutschen Klasse - am Hünting mit 2:0, und 1979 gab´s tolle Spiele gegen Freiburg und Osnabrück. In der Saison 81/82 drang der 1.FC immerhin ins Achtelfinale vor. Hintereinander wurden der FC St.Pauli, FV Offenbach und Oli Bürstadt ausgeschaltet, ehe Göttingen 05 Endstation wurde. 3:3 nach Verlängerung in Bocholt, 1:3 in Göttingen. Es gab viele schöne Hits am Hünting. Der schönste, wenn auch nicht erfolgreichste, aber war und bleibt das Auftreten der Bayern. An diesen Pokalfight werden sich alle, die dabei waren, noch lange gerne erinnern.

Die dreijährige Zeit - von 1994 bis 1997 - in der Regionalliga, als Trainer Jupp Tenhagen eine Mannschaft mit Kapitän Uwe Vengels an der Spitze formte, sind beredtes Zeugnis. In dieser Zeit gab es auch jedes Jahr freundschaftliche Topgegner am Hünting: AS Rom, Athletic Bilbao, SSC Neapel, PSV Eindhoven, FC Valencia, Ajax Amsterdam (gegen Borussia Mönchengladbach), Real Sociedad San Sebastian, Borussia Dortmund und am 12. Juli 2000 die Glasgow Rangers gaben ihre Visitenkarte am Hünting ab. Und zu all den Spielen - die von einem Freundeskreis von Friedel Elting gesponsort wurden - kamen insgesamt 41.000 Zuschauer!