"Alles muss mitwachsen!"
vom 28.12.2011Die Kollegen des Bocholter-Borkener-Volksblatt (BBV) sprachen jetzt in einem Interview mit dem 36-Jährigen, der derzeit noch als Spielertrainer beim Bezirksligisten SV Vrasselt aktiv ist, über seinen Wechsel, seine Ideen, die Perspektiven und seine Vergangenheit beim 1. FC Bocholt. Das Gespräch führte BBV-Sportredakteur Björn Brinkmann.
Herr Brouwer, warum haben Sie sich für den 1. FC Bocholt entschieden?
Sascha Brouwer: Es ist so, dass ich mich in Vrasselt als Trainer und auch als Spieler sehr wohl gefühlt habe, aber jetzt die sportliche Herausforderung gesucht habe. Als Trainer möchte ich auch mal höher arbeiten. Jetzt kam eben die Anfrage von Bocholt, und da habe ich nicht so lange überlegt.
Das heißt, dass der Wechsel ziemlich kurzfristig über die Bühne gegangen ist?
Brouwer: Es war ziemlich kurzfristig. Ziemlich kurz nach unserem letzten Saisonspiel gab es das erste Telefonat, und dann habe ich mich mit verschiedenen Leuten aus dem Vorstand und der sportlichen Leitung zweimal getroffen. Und dann waren wir uns eigentlich schon einig, dass wir zusammenarbeiten.
Kommen Sie auch als Spielertrainer?
Brouwer: Es ist angedacht, dass ich nur Trainer bin. Man weiß nie, wie das Jahr verläuft. Ich denke, dass ich für den FC dann auch die Spielberechtigung haben werde.
Jetzt hätte Sie der 1. FC Bocholt schon gerne im Winter gehabt...
Brouwer: ... Ich habe da auch angefragt in Vrasselt, ob das möglich wäre. Die wollten mir auch keine Steine in den Weg legen, aber es wäre dann natürlich alles Knall auf Fall gegangen. Und da hat der Vorstand dann gesagt, dass er das eigentlich nicht verantworten könnte. Das muss man auch akzeptieren, dass man nicht so kurzfristig alles stehen und liegen lassen kann.
Ansonsten hätten Sie die Oberliga-Qualifikation in der eigenen Hand gehabt.
Brouwer: Stimmt, auf der anderen Seite habe ich so auch ein halbes Jahr, um mich vorzubereiten. Jetzt im Winter hätte ich vor einer komplett neuen Mannschaft gestanden. Ob das so sinnvoll gewesen wäre, weiß man nicht. Die Lösung jetzt, dass Georg Schmeinck das Traineramt bis zum Saisonende übernimmt, ist sehr gut, so dass ich mich da gut einarbeiten kann.
Welche Ziele verfolgen Sie mit dem 1. FC Bocholt?
Brouwer: Ich verfolge sehr langfristige Ziele. Das heißt: eine noch bessere Zusammenarbeit mit der Jugend. Ich werde nicht nur auf die erste Mannschaft gucken, sondern auch auf den Gesamtverein, dass es da insgesamt noch weiter nach vorne geht und sich die Jugend noch weiter aufstellt. Die A-Jugend soll den Sprung in die Niederrheinliga schaffen, um die Arbeit im Seniorenbereich auch zu erleichtern. Auch die zweite Mannschaft muss den Sprung in die Kreisliga A schaffen. Das sind alles Sachen, denen ich mich auch nicht verschließen werde. Da will ich helfen, dass die Rahmenbedingungen besser werden.
Auch in Vrasselt haben Sie sehr intensiv mit der Jugend gearbeitet und zeitweise die A-Jugend parallel trainiert.
Brouwer: Da haben wir auch alle Mannschaften in die Bestengruppe gebracht. Die A-Jugend steigt hoffentlich dieses Jahr auf. Dazu müssen die verschiedenen Abteilungen und Trainer zusammenarbeiten.
Dass Sie so gerne mit jungen Leuten zusammenarbeiten, war dann auch ein Grund, um zum 1. FC Bocholt zu gehen? Das Team ist ja auch sehr jung.
Brouwer: Auf jeden Fall. Bei vielen Spielern ist deshalb ja auch noch Luft nach oben. Man sieht ja, was die Mannschaft in einzelnen Spielen leisten kann. Dass bei einer jungen Mannschaft ab und zu die Konstanz fehlt, das kenne ich aus Vrasselt genauso. Aber jetzt bin ich im fünften Jahr in Vrasselt. Wir haben stetig unsere Tabellenposition verbessern können. Das ist auch das, was ich jetzt vorhabe, um mit kleinen Schritten alles in die Bahnen zu lenken. Alles muss mitwachsen. Wir dürfen nicht nur die Erste sehen, sondern den gesamten Verein.
Wie werden Sie mit dem jetzigen Coach Georg Schmeinck zusammenarbeiten?
Brouwer: Das werden wir jetzt in Ruhe besprechen. Wir werden jetzt noch eine Woche Ruhe haben und uns dann zusammensetzen. Die Dinge angehen, in welcher Konstellation er mitarbeitet oder wir zusammenarbeiten.
Es könnte sein, dass Sie in der neuen Saison mit Sebastian Eul den ehemaligen Spielertrainer im Kader haben. Werden Sie mit ihm besonders eng zusammenarbeiten?
Brouwer: Bis jetzt haben wir noch gar nicht miteinander telefoniert. Ich bin für alles offen und komme mit so gut wie jedem klar. Ich möchte, dass wir beim 1. FC Bocholt alles auf breite Beine stellen, damit wir eine vernünftige Mannschaft bauen. Wer sich in welcher Form einbringt, das müssen wir dann sehen.
Das Publikum des 1. FC Bocholt gilt als sehr kritisch. Zuletzt kamen nur noch wenige Fans zum Hünting. Gehen Sie auf die besonders zu?
Brouwer: Ich kenne das Umfeld ja noch von vor zehn Jahren. Ich möchte jeden mitnehmen und natürlich wollen wir vor so vielen Zuschauern wie möglich spielen. Dass kritische Zuschauer dazugehören, zeigt ja auch, dass der Club vielen Menschen am Herzen liegt.
Befürchten Sie, dass der Hünting beim Abriss der Tribüne an Flair verliert?
Brouwer: Wir haben ja leider nicht die Wahl, sonst würde ich mir wünschen, dass die Tribüne bleibt. Ich sehe sie aber nicht als einziges Kriterium für ein Flair an. Dafür sollen gute Leistungen und eine gute Mannschaft sorgen.
Welche Erinnerungen haben Sie noch an Ihre aktive Zeit als Spieler beim 1. FC Bocholt in der Saison 2002/2003?
Brouwer: Nur positive. Da haben wir auch eine relativ junge Mannschaft mit Spielern aus der Bezirksliga gehabt, die eingebaut wurden. Das war ein sehr schönes und erfolgreiches Jahr. Wir sind in der Oberliga Sechster oder Siebter geworden. Das war für die Umstände sehr gut. Mit einer jungen, hungrigen Mannschaft wollen wir auch jetzt wieder Erfolg haben.
Nach nur einer Saison sind Sie damals wieder gegangen. Und dann auch noch zum Erzrivalen 1. FC Kleve.
Brouwer: Ich glaube, das ist mittlerweile verziehen.
Quelle: BBV-Ausgabe vom 28.12.2011
Autor: Björn Brinkmann, Sportredaktion
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eingetragen von: Benjamin Kappelhoff



