Durchwachsener 4:1-Sieg in Barlo
vom 03.10.2010 Viertes Spiel in acht Tagen, vierter Sieg für die D1-Junioren des 1. FC Bocholt. Klingt stark. Während es das in den vorausgegangenen Spielen gegen Biemenhorst und insbesondere Mussum auch war, folgte beim Spiel am Samstag bei der DJK Barlo die Ernüchterung.Und dabei hatten beide FC-Trainer vor der Partie vor Überheblichkeit gewarnt, wenn man "nur" beim Tabellenschlusslicht antritt. Doch der 1. FC ging nicht mit dem Selbstbewusstsein eines Favoriten ins Spiel, sondern mit einer eigenartigen Mischung aus Überheblichkeit und Hilflosigkeit. Statt wie vorgegeben über die Außenbahnen zum Erfolg zu kommen gegen kompakt stehende Barloer gingen alle Angriffe schlicht durch die Mitte - nichts zu sehen vom phasenweise starken Kombinationsfußball in Mussum. Dennoch kamen die Gäste auf gut zu bespielendem Rasenplatz zu einigen guten Chancen, die aber aufgrund fehlender Bissigkeit und mangelndem letzten Willen im Abschluss nicht verwertet werden konnten (z.B. 3. Minute Marcel Flietel sowie 8. Minute David Schulte). Hinten brannte bis dahin nichts an - eben: bis dahin. In der 9. Spielminute kommt es zu einem schweren Patzer im Spielaufbau, als ein FC-Verteidiger der heute neu formierten Abwehrkette den Ball vertändelt und im Anschluss gleich zwei Abwehrleute sich von zwei Barloern ausspielen lassen, von denen einer der beiden einfach mal mit der Pieke aus rund 15 Meter abzog und sich der Ball mit mäßigem Tempo über den viel zu hoch stehenden FC-Keeper ins Tor senkt - das 0:1 aus Bocholter Sicht aus dem Nichts. Die Parallelen zur Pokal-Begegnung bei der DJK TuS Stenern waren nicht zu übersehen, wo man ebenfalls mit dem ersten und einzigen Torschuss des Gegners in Rückstand geriet. Aber auch diesmal zeigte der 1. FC Moral. Bereits vier Minuten später spielt Philipp Divis einen Traum-Vertikalpass in den Lauf von David Schulte, der eiskalt zum - natürlich verdienten - 1:1 einnetzen kann. Die Phase im Anschluss war geprägt von Druck der Gäste, die aber nicht die richtigen Mittel fanden, um zum Führungstreffer zu gelangen. Man besaß zwar gute Möglichkeiten, aber irgendwie fehlte einfach der letzte Biss, während die Barloer fighteten, als gäbe es kein Morgen mehr und somit das absolute Optimum aus sich herauskitzelten. So musste wie so oft einer der stets gefährlichen Standardsituationen herhalten, um den 2:1-Treffer zu erzielen: Eine Philipp Divis-Ecke köpfte Fabian Berntsen freistehend ein (24.). Da die Lethargie auch in den Folgeminuten nicht nachlassen sollte, ging es mit diesem schmeichelhaften 2:1 in die Pause.
Im zweiten Durchgang zeigten sich die Gäste zwar verbessert und vor allem mit anderer Körpersprache, viel zählbares sprang aber nicht dabei heraus. Während die Defensive kaum bis gar nicht gefordert war, hatte der 1. FC in der Offensive viele gute Chancen, scheiterte aber zu oft am gegnerischen Keeper, der vielbeinigen gegnerischen Abwehr oder am eigenen Unvermögen. So dauerte es bis zur 49. Spielminute, ehe das zu dem Zeitpunkt mehr als überfällige 3:1 fiel, als Leon Booms einen klasse Spielzug, bei dem Marcel Flietel mustergültig hereinflankte, eiskalt vollendete. Das 4:1, ebenfalls durch Leon Booms auf Vorlage des stark nachsetzenden Marcel Flietel, ließ nur drei Minuten auf sich warten (52.). Bis Abpfiff besaß der 1. FC Bocholt noch 2-3 gute Chancen, verdaddelte diese aber, so dass es am Ende beim 4:1-Sieg blieb.
Dieser doch eher wackelige Sieg war beste Lehreinheit dafür, was passieren kann, wenn man nicht mit der richtigen Einstellung in eine Partie geht und den Gegner auf die zu leichte Schulter nimmt. Positiv hingen sicherlich die Moral der Truppe, trotz Rückstands in einer nicht einfachen Spielphase gegen klasse kämpfende Gastgeber, die Köpfe nicht hängen zu lassen und vor allem die nötige Ruhe zu bewahren, um dann das Spiel noch zu drehen. Dennoch war die heutige Leistung bei weitem nicht mit den zuletzt gespielten Partien in Mussum und gegen Biemenhorst zu vergleichen - um gegen Top-Mannschaften bestehen zu können, bedarf es aber einer solchen Top-Leistung mit Steigerung. Ob wir dem gewachsen sind, zeigen die Spiele nach der dreiwöchigen Meisterschaftspause, wenn es gegen die vermeintlichen Meisterschaftsfavoriten geht.



