Leo Heßling neu im FC-Beirat
Am 19. November wurde Leo Heßling auf der Vorstandssitzung in den Beirat des 1. FC Bocholt gewählt. Der Bocholter ist nach jahrelanger Tätigkeit als Geschäftsführer für eine europäische Tochtergesellschaft des japanischen Brother-Konzerns im Sommer 2009 in den Ruhestand gewechselt. Nun möchte 62-Jährige seine „freie Zeit“ dazu nutzen beim 1. FC Bocholt mitzuarbeiten. Hauptaugenmerk liegt auf der Akquise neuer Sponsoren. Grund genug ein ausführliches Interview mit unserem neuen Beirat zu führen.
Herr Heßling, wie ist ihr Engagement beim 1. FC Bocholt zu erklären?
Heßling: „Es gab immer eine Liebe zum 1. FC Bocholt, meine Seele ist einfach schwatt. Und da liegt es natürlich nahe, dem Verein zu helfen. Ich will im Ruhestand etwas Sinnvolles machen und das halte ich für sinnvoll. Wenn ich eine ehrenamtliche Tätigkeit mache, dann will ich sie auch richtig machen und nicht nur in irgendeinem Vorstand namensmäßig vertreten sein, sondern dann möchte ich auch mitarbeiten können. Dadurch bin ich jetzt erst durch den Ruhestand in die Lage gekommen, mehr zu tun.“
Wie kam der Kontakt zustande?
Heßling: „Der Kontakt kam über Wolfgang Jansen zustande. Man kann durchaus sagen, dass wir befreundet sind und daher war es für ihn natürlich ein Leichtes mich anzusprechen. Aber das allein reichte nicht. Sondern er musste mich davon überzeugen, dass das Konzept, das auf dem Tisch liegt, förderungswürdig ist.“
Es gibt sicher reizvollere Aufgaben, als für einen Siebtligisten „Klinken zu putzen“?
Heßling: „Die siebte Liga kann und darf für Bocholt nicht das sein, womit man sich zufrieden gibt. Ich möchte nicht davon reden, dass wir schon mal in der 2. Liga gespielt haben. Wichtig ist erst einmal, dass die erste Mannschaft wieder einen begeisternden Fußball spielt. Und über diese Begeisterung die Zuschauer mitreißt, da ist es nicht so entscheidend in welcher Liga man spielt.“
Für Sponsoren ist die siebte Liga dennoch wenig attraktiv oder?
Heßling: „Ein Werbewert ist im Moment mit Sicherheit kaum vorhanden. Der erhöht sich natürlich, je höher man dann auch spielt. Aber der Gegenwert ist die Begeisterung und dass man in einen Verein investiert, der sich in den letzten eineinhalb Jahren besser aufgestellt hat. Und dass es sich lohnt, dort wieder etwas zu tun. Das gilt natürlich besonders für in Bocholt ansässige Betriebe. Fußball ist Sportart Nummer Eins in Deutschland und der 1. FC ist das Aushängeschild des Bocholter Fußballs. Jeder Bocholter ist stolz, wenn Bocholt überregional in Erscheinung tritt.“
Wie genau wollen Sie Sponsoren für den Verein gewinnen?
Heßling: „Wie begeistert man, wie holt man Sponsoren rein? Ich habe da kein Patentrezept. Wir müssen die Leute über unsere Ziele informieren. Aber man kann nicht einfach anrufen und sagen, wir kommen jetzt vom 1. FC. Das muss gut vorbereitet werden. Man muss die Leute von den Motiven überzeugen. Man sponsert nicht die erste Mannschaft, man sponsert den gesamten Verein, mit der gesamten Arbeit, die der Verein leistet. Es ist klar, dass sich Unternehmer, die den ganzen Tag mit ihrer Firma beschäftigt sind, sich nicht von alleine anbieten. Deshalb muss man sie aktiv ansprechen und überzeugen. Wir werden Firmen zusammen ansprechen, um zu zeigen, dass da ein Team ist, das bereit ist, deutlich mehr zu tun. Das bereit ist, sich selbst einzubringen und nicht nur auf Unterstützung anderer zu hoffen. Wir sind natürlich nicht so vermessen zu glauben, dass uns jetzt alles die Türen einläuft.“
Wie schätzen sie das Sponsoren-Potential in Bocholt ein?
Heßling: „Ich habe mir allein die Anzahl der Firmen im Industriegebiet angesehen. Wenn man diese Unternehmen vernünftig und seriös anspricht, gibt es da sicher ein Sponsoren-Potential für unseren Verein. Wobei man nicht immer von den Großsponsoren sprechen muss, auch viele kleine Sponsoren ergeben irgendwann eine beachtliche Unterstützung. Und wenn wir von kleinen Sponsoren sprechen, sprechen wir auch von Mitgliedern. Denn jedes Mitglied spendet auch durch den Jahresbeitrag. Das heißt, wir müssen auch wieder verstärkt Mitglieder werben, sei es durch Schnupper-Mitgliedschaften oder andere Ideen.“
Was muss noch passieren, um den Verein voranzubringen?
Heßling: „Die Basis muss stimmen. Das heißt, dass die Jugendabteilung gut organisiert ist. Und wenn wir neue Sponsoren finden, soll mit diesem Geld auch die Jugend unterstützt werden. Damit das Fundament des Vereins stark und gut ist. Natürlich mit der Hoffnung, dass sich daraus Talente entwickeln, Talente aus der Region, die dann mal für die erste Mannschaft spielen können. Das ist der Sinn meiner Aktivitäten beim 1. FC. Wir müssen Talente aus der Umgebung anlocken und den eigenen Nachwuchs fördern. Wenn man weiterhin junge Leute aus Bocholt und Umgebung gewinnen kann, beim 1. FC Bocholt Fußball zu spielen, dann identifizieren sich auch die Zuschauer mit dieser Mannschaft. Die Identifikation muss sich durch den ganzen Verein ziehen. Da muss man auch nach außen zeigen, dass man stolz ist Mitglied des 1. FC zu sein. Das kann sich auch dadurch dokumentieren, dass man sich mal einen Aufkleber des Vereins ins Auto klebt.“
Wie steht‘s um die Professionalität beim 1. FC?
Heßling: „Also für diese Liga wird der Verein schon sehr professionell geführt. Ich kenne auch viele andere Vereine, die in diesen Sphären spielen, und im Vergleich zu denen ist der 1. FC Bocholt sicherlich äußerst gut aufgestellt. Ich denke, dass der Vorstand hier eine hervorragende Arbeit macht, aber es ist ja so, dass man immer noch dazulernen kann. Und neue Leute bringen auch immer neue Qualitäten in das Team. Der eine ist der große Motivator, der andere arbeitet eher im Verborgenen, da muss man die richtige Mischung finden. Und ich denke, da gibt es tolle Voraussetzungen beim 1. FC, sonst hätte ich es nicht gemacht. Ich bin überzeugt, dass der Weg, den wir zusammen gehen wollen, erfolgreich sein kann.“
Was sind ihre Ziele?
Heßling: „Ich möchte jetzt keine Liga als Ziel nennen. Aber ich spreche von einem höherklassigen Fußball und höherklassig ist schon die nächste Liga. Natürlich muss es das Ziel sein, dass wir uns aus dieser Geschichte nach oben bewegen und wir sind da auf einem guten Weg. Aber es darf kein Druck entstehen, dass man jetzt hoch muss. Oder dass die Sponsoren nur davon abhängen, dass wir noch in diesem Jahr aufsteigen. Natürlich wäre das fantastisch, das würde geradezu perfekt passen und das würde uns helfen. Aber ich denke wichtiger ist zu zeigen, dass der Verein gut aufgestellt ist, dass sich wieder etwas bewegt.“
Präsident Wolfgang Jansen über Leo Heßling:
„Jeder weiß, dass der 1. FC Bocholt nicht auf Rosen gebettet ist. Wir arbeiten seit knapp Zwei Jahren sehr daran, vor allem die wirtschaftliche Basis zu schaffen, um es überhaupt möglich zu machen den Blick wieder nach oben zu richten. Das fällt uns alles andere als einfach und da finde ich es umso lobenswerter, dass ein Leo Heßling gerade jetzt mit anpackt. Der setzt sich hier nicht ins gemachte Nest, sondern der weiß genau, welche Probleme auf Ihn zukommen und dass harte Arbeit vor ihm liegt.“



